Ferdinand Raimunds Das Mädchen aus der Feenwelt, besser bekannt unter dem Untertitel Der Bauer als Millionär, verbindet Zauberposse, Besserungsstück und Wiener Volkstheater zu einer moralischen Parabel über Reichtum, Identität und häusliche Tugend. Im Mittelpunkt steht der durch Feenfügung erhobene Bauer Fortunatus Wurzel, dessen gesellschaftlicher Aufstieg innere Verblendung erzeugt. Raimunds Sprache changiert zwischen komischer Derbheit, lyrischer Empfindsamkeit und allegorischer Transparenz; Figuren wie Jugend, Alter und Zufriedenheit verankern das Stück im spätromantischen Theater und zugleich in der populären Vorstadtbühne des Biedermeier. Raimund, 1790 in Wien geboren, war Schauspieler, Theaterpraktiker und einer der bedeutendsten Dramatiker des Alt-Wiener Volkstheaters. Seine Erfahrung als Darsteller prägte die genaue Kenntnis von Bühnenwirkung, Dialektkomik und musikalischer Einlage. Zugleich spiegeln sich in dem Werk persönliche und zeitgeschichtliche Spannungen: der Wunsch nach sozialem Aufstieg, die Skepsis gegenüber materiellem Glück und ein melancholisches Bewusstsein von Vergänglichkeit, das Raimunds Komik stets ernst grundiert. Dieses Stück empfiehlt sich Lesern und Zuschauern, die Unterhaltung nicht von Erkenntnis trennen möchten. Es bietet lebendige Szenen, pointierte Komik und ein fein gebautes System moralischer Gegensätze, ohne seine Volksnähe einzubüßen. Wer die Entwicklung des deutschsprachigen Theaters zwischen Romantik, Biedermeier und moderner Gesellschaftssatire verstehen will, findet hier ein Schlüsselwerk: zugänglich, poetisch und überraschend aktuell in seiner Frage, was ein gelungenes Leben ausmacht.