Mit Band 2 führt Fumi Tsuyuhisa die düstere Geschichte um den Polizisten Norito, seinen Zwillingsbruder Shinji und den geheimnisvollen Priester Yoshiomi vorläufig zu Ende. Der Manga verbindet Krimi, übernatürliche Elemente und Boys Love zu einem atmosphärisch dichten Genremix, bei dem die Handlung klar im Vordergrund steht.
Schon Band 1 überzeugte durch seine melancholische Stimmung: ein verschneites Bergdorf, rituelle Praktiken und die Frage, wo Rationalität endet und Glaube oder Wahn beginnt. Während der Mystery-Anteil stark war, blieb die emotionale Dynamik zwischen Norito und Yoshiomi für mich noch etwas zurückhaltend.
Band 2 zieht nun deutlich an. Die Bedrohung wird konkreter, die Hintergründe der Rituale treten stärker hervor, und Kriminalfall sowie übernatürliche Aspekte greifen enger ineinander. Die zuvor aufgebaute Atmosphäre verdichtet sich spürbar zur Spannung. Besonders gelungen finde ich den Schwebezustand zwischen erklärbarer Realität und metaphysischer Deutung, genau hier entfaltet die Geschichte ihre größte Stärke.
Auch emotional legt der Band nach. Gefühle und innere Konflikte werden greifbarer, dennoch bleibt die Beziehung zwischen Norito und Yoshiomi kontrolliert und von unterschwelliger Spannung geprägt. Diese Zurückhaltung passt zur düsteren Tonalität, ich hoffe jedoch, dass die Fortsetzung der Reihe (ja, es gibt eine) der Beziehung noch mehr Raum gibt, Potenzial ist reichlich vorhanden.
Der stilistisch klare, ästhetische Zeichenstil unterstreicht die melancholische und spirituelle Atmosphäre zusätzlich. Insgesamt bleibt Im Schleier der Nacht ein intensiver, kompakter Genre-Mix, der Romantik organisch in eine Mystery-Handlung einbettet