Wie lange habe ich mich um dieses Buch gedrückt. Gefühlt hat es jeder bereits gelesen. Die meisten fanden es gut, manche eher trocken - aber einig waren sich alle: Es ist zeitlos. Und das empfinde ich als eine sehr passende Beschreibung.Klar, die Ausdrucksweise und der Stil sind gewöhnungsbedürftig, aber ich glaube, die neueren Übersetzungen machen beides mittlerweile sehr erträglich. Hat man sich einmal daran gewöhnt, ist es gut lesbar.Mich hatte diese triste Welt sehr schnell gepackt. Die immer gleichen Abläufe und Winstons beginnendes Aufbegehren waren schon sehr spannend. Ich war neugierig auf den Verlauf - wohin es Winston führt und welche Gefahren und Entdeckungen noch bereitstehen.So manche Parallelen gibt es bis heute, und viele Erklärungen zur Politik fand ich erschreckend übertragbar. Auch die Themen Gleichheit, Überwachung und Kontrolle haben mich geschockt und zum Nachdenken gebracht.Den letzten Teil der Geschichte fand ich sehr zäh und langatmig. Hier verschwimmt auch stark die Grenze zwischen Realität und Einbildung von Winston - was es mir schwer machte, beides zu unterscheiden. Die viele Gewalt in diesem Teil machte es zusätzlich zunehmend schwieriger.Es ist zu Recht ein Klassiker, auf den man immer wieder stößt. Er behandelt brandaktuelle Themen - und das, obwohl das Buch bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Ja, es hat auch Schwächen, aber trotzdem halte ich es für wichtige Lektüre.Nicht immer angenehm zu lesen ¿ aber gerade deshalb so wichtig.