Ziemlich perfekte Unterhaltung - nicht mehr, nicht weniger.
Dieser dritte Band von George Martins Westeros-Saga "A Song of Ice and Fire" knüpft nahtlos da an, wo der zweite endete. Bei wem - wie bei mir - die Lektüre des zweiten Bandes zeitlich eine ganze Weile zurückliegt, der wird - wie ich - anfangs ein wenig Schwierigkeiten haben, sich alle Verästelungen des Geschehens und den letzten Stand der Dinge dort zu vergegenwärtigen. Aber spätestens, nachdem jede der zehn Erzählstimmen (exklusive Prolog und Epilog) einmal zu Wort gekommen ist, findet man sich wieder zurecht.Viel Zeit zum Nachdenken hat man eh nicht, denn es geht überall saftig zur Sache. Auf allen Schauplätzen warten abenteuerliche und hochspannende Ereignisse mit unerwarteten Wendungen. Das ist Unterhaltung vom Allerfeinsten, da gibt es tatsächlich nichts zu meckern. Martin hat sein Räderwerk in Gang gebracht und jetzt spult er ein Feuerwerk an Action, Suspense und Verrat ab, an dem das Publikum seine wahre Freude haben darf. Die Figuren sind uns vertraut, wir sehen sie reifen und sich entwickeln; auch diejenigen, die zu Beginn einfach "die Bösen" waren (wie Jaime Lannister) werden gehört und dürfen in ihren Motiven und ihrem Empfinden ernst genommen werden - sie müssen allesamt so einiges aushalten, George Martin geht mit seinen Figuren auch in diesem dritten Band nicht eben zimperlich um.Wie gesagt: Das ist ziemlich perfekte Unterhaltung. Mehr hinein zu deuteln, wäre verkehrt, hier gibt es nichts, an dem man als Leser reifen oder wachsen könnte, keine Erkenntnisse oder Reflexionen über den Menschen und seine Welt, keine Literatur, die nach dem Nobelpreis schielt. "A Storm of Swords" ist ein hoch unterhaltsames und interessantes Dolch-und-Schwert-Drama, das auf allen Ebenen einen blutigen Machtkampf bespielt. Phantastisches findet weiterhin nur sehr am Rande statt: Im wilden Norden jenseits der Mauer gibt es Riesen, Mammuts und Untote, und Daenerys, die im Osten ihre Heerscharen sammelt, hat drei halbwüchsige Drachen im Gefolge. Alles Übrige, die Aufgaben und Probleme, vor die Martin seine Figuren stellt, sind ebenso menschlich wie die Lösungen, die ihnen dafür zur Verfügung stehen. Das Setting entspricht immer noch dem England der Rosenkriege und ich traue mich nach der Lektüre auch wetten, dass George Martin ein Fan von Mario Puzo und seinen "Paten" ist.Erstaunlich fand ich das Thema Religion. So, wie Herr Tolkien in seinen Werken verschiedene Sprachen in vollständiger Ausprägung erfunden hat, präsentiert uns George Martin hier eine Reihe von konkurrierenden Religionen, die in ihrer Logik und ihrer Praxis und Soziologie erstaunlich schlüssig und nachvollziehbar gestaltet sind. Hat mich beeindruckt.