Giorgio Vasaris "Künstler der Renaissance" versammelt biographische Porträts jener Maler, Bildhauer und Architekten, die nach seiner Deutung die Kunst aus mittelalterlicher Gebundenheit zur Vollendung führten. In anekdotenreicher, zugleich ordnender Prosa verbindet Vasari Werkbeschreibung, Charakterstudie und kunsttheoretisches Urteil. Das Buch steht im humanistischen Kontext des 16. Jahrhunderts: Kunst erscheint als geschichtlicher Fortschritt, getragen von Erfindungskraft, Zeichnung und Nachahmung der Natur. Vasari, 1511 in Arezzo geboren, war selbst Maler, Architekt und Höfling der Medici. Seine Nähe zu Werkstätten, Sammlungen und politischen Zentren Italiens verschaffte ihm ungewöhnlichen Zugang zu mündlichen Überlieferungen und künstlerischen Netzwerken. Gerade weil er Praktiker war, schrieb er nicht bloß als Chronist, sondern als jemand, der technische Verfahren, Ruhm, Konkurrenz und Patronage aus eigener Erfahrung kannte. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die die Renaissance nicht nur als Epoche großer Meisterwerke, sondern als bewusst erzählte Entstehungsgeschichte moderner Kunst verstehen wollen. Trotz mancher Parteilichkeit bleibt Vasaris Darstellung grundlegend: Sie lehrt, Kunstwerke historisch zu lesen, Künstler als Individuen wahrzunehmen und die Macht kunstgeschichtlicher Erzählungen kritisch zu prüfen.