Aus dem Durchschnitt entfaltet eine Poetik des Gewöhnlichen: Nicht das spektakuläre Ereignis, sondern die unscheinbare Bewegung bürgerlichen Lebens steht im Zentrum. Falke beobachtet Milieus, Gesten und seelische Zwischentöne mit jener zurückhaltenden Genauigkeit, die um 1900 zwischen Realismus, Impressionismus und einer frühen psychologischen Moderne vermittelt. Der Titel wird dabei zum Programm: Im Durchschnittlichen entdeckt der Text soziale Prägungen, stille Sehnsüchte und die Würde alltäglicher Existenz. Gustav Falke, 1853 in Lübeck geboren und später eng mit Hamburg verbunden, kannte die Welt des bürgerlichen Erwerbslebens aus eigener Erfahrung. Tätigkeiten im Handel, im Buchwesen und als Musiklehrer gingen seiner freien Schriftstellerexistenz voraus. Diese biographische Nähe zu Arbeit, Bildungshunger und urbaner Alltäglichkeit erklärt die besondere Sensibilität, mit der er Menschen jenseits heroischer Ausnahmezustände darstellt. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Literatur nicht als Flucht vor dem Alltag, sondern als geschärfte Wahrnehmung desselben verstehen. Aus dem Durchschnitt belohnt die aufmerksame Lektüre durch leise Ironie, humane Genauigkeit und kulturgeschichtliche Anschaulichkeit. Es ist ein Werk für alle, die die literarische Bedeutung des scheinbar Unbedeutenden erkennen möchten.