Ein Schrei, ein Flug. Unser Kommissär Hunkeler wird unfreiwillig Zeuge eines Selbstmordes. Oder ist es doch Mord?Kommissär Hunkeler hat Urlaub und ist gewillt, diesen auch zu genießen, nicht an fremden Gestaden sondern im heimischen Basel, möglichst oft im Wasser, dem Medium dem er zugeneigt ist und das ihm die Möglichkeit gibt, jenen Stress abzustreifen, der ihm sein Dienst und seine Freundin (zumindest gelegentlich) bereitet. Dennoch, wie könnte es anders sein, lässt er sich in diesen Fall hineinziehen - oder folgt er nicht doch eher seinem unüberwindlichen Drang, für etwas mehr Gerechtigkeit auf diesem Erdenrund zu sorgen?Wie auch immer, dieser Fall wird zu seinem persönlichen Fall, da das Leben des "Opfers" Parallelen zu seinem eigenen Leben zeigt. Diese Lebensgeschichte, in einer blauen Kladde niedergelegt, wird von unserm Kommissär, beim Nicht-anders-können, widerrechtlich entwendet. Da aber diese Kladde, obwohl mit dem Ruch der Illegalität behaftet und so an der Seele des Kommissärs und seinem Gerechtigkeitsempfinden nagend, auch ihm nur zu gut in Erinnerung gebliebene Ereignisse enthält, die ihn tief in seine (kindliche) Seele (oder sollte ich lieber sagen Psyche; klingt aber nicht so schön, ist auch landläufig irgendwie anders belegt ...) blicken lassen, nimmt er diese in Gewahr und orientiert mit deren Inhalt sein Leben versuchsweise neu. Hierfür legt er sich eine rote Kladde an - und beginnt zu schreiben ...Es sind nicht Thrillerelemente, die diesen Roman auszeichnen, sondern es sind die ruhigen, nachdenklichen Passagen, die den Leser gefangen nehmen, die Rückblicke auf eine nicht einfache Kindheit, auf ein turbulentes Leben, das mit zunehmendem Alter andere Fragen stellt. Dabei geben die Ermittlungen den Rahmen für dieses sachliche oft aber auch sehr emotionale Nachdenken (häufig fließen dabei Tränen) ab. Fragen und Antworten betreffen dabei nicht nur die Person und deren Lebensgeschichte, sondern driften oft ab ins Grundsätzliche. Die teils philosophischen auch psychologischen Ausflüge animieren dazu, gleichfalls nach Parallelen im eigenen Leben zu suchen. Und - man wird fündig. Ganz sicher. So ist man schon bald darauf zu Dritt unterwegs, auf der Suche nach Fragen, die das Leben stellt oder bereits gestellt hat (im Falle des Opfers). Selbstredend werden dabei auch Personen "in Haft" genommen, die einem etwas bedeuten oder an denen man sich abgearbeitet hat. Dabei darf die Liebe, als das wesentliche Element des Lebens, natürlich nicht fehlen. Und die sanfte Art wie über dieses Gefühl geredet wird, lässt die Welt plötzlich in einem anderen Licht erscheinen, wohlwollender, zugewandter, optimistischer. Dabei darf auch ruhig mal in den Schritt gefasst werden, wenn es so wie hier dargestellt wird. Es passt einfach.Dabei enthält dieser Roman keine "Anleitung zum Leben", sondern ein Hineinziehen in eine Welt voller Widersprüche, krankmachende Elemente auf der einen Seite, Lebenslust auf der anderen. Mal möchte man absolut zustimmen, mal ist man gekränkt, mal zieht man seine Stirn in Falten. Aber das ist wohl notwendig, wenn man sich mit den Möglichkeiten des Lebens auseinandersetzt. Oft fällt das Atmen schwer, mal möchte man schreien, hin und wieder weinen. Kurz: man lebt, man leidet, man liebt mit.(8.1.2018)