Die Ilias entfaltet in vierundzwanzig Gesängen einen entscheidenden Ausschnitt aus dem Trojanischen Krieg: den Zorn des Achilleus, seine Entzweiung mit Agamemnon und die tödliche Dynamik von Ehre, Verlust und Vergeltung. In streng komponierter epischer Sprache, getragen vom daktylischen Hexameter, verbindet das Werk heroische Erzählung mit psychologischer Schärfe. Zwischen Schlachtenszenen, Götterinterventionen und Momenten erschütternder Menschlichkeit begründet es den literarischen Horizont Europas. Homer, der traditionell als frühgriechischer Sänger des 8. Jahrhunderts v. Chr. gilt, steht an der Schwelle zwischen mündlicher Dichtung und schriftlicher Fixierung. Über seine Person ist wenig gesichert; doch gerade diese Unbestimmtheit verweist auf eine lange Tradition rhapsodischer Überlieferung. Die Ilias bewahrt Erinnerungen an mykenische Kriegerwelten, aristokratische Wertordnungen und religiöse Vorstellungen, die Homer zu einer künstlerisch geschlossenen Form verdichtet. Empfohlen sei dieses Werk allen Leserinnen und Lesern, die Ursprung und Maßstab epischer Literatur verstehen möchten. Die Ilias ist nicht nur ein Kriegsbuch, sondern eine Studie über Würde, Sterblichkeit und Mitgefühl. Wer sich auf ihre fremde, zugleich erstaunlich gegenwärtige Welt einlässt, begegnet einem Text von unverminderter intellektueller und emotionaler Kraft.