Aktuelle Themen (Klimawandel, u.a.), angereichert mit wiss. Hintergrundinfos und einem Liebesreigen ergeben einen äußerst lesenswerten Roman
Das Buch enthält alles, was einen guten Roman auszeichnet: Aktualität (Klimawandel, alternative Energien etc.), wissenschaftliches Hintergrundwissen (z.B. Quantenmechanik, Photosynthese) außergewöhnliche Mann-Frau-Verschränkungen (um es möglichst wertneutral zu formulieren) sowie ein hohes Maß an Spannung. Wir begleiten den Protagonisten der Geschichte, Nobelpreisträger und Frauenheld trotz mopsiger Figur, durch zehn seiner Lebensjahre, untergebracht in drei Kapitel/Zeiten (2000, 2005, 2009), geschrieben in einem eleganten Sprachstil, der die Charaktere zum Leuchten bringt und den Leser oft zum Schmunzeln. Der Roman kommt ohne "literarisch wertvolle" Pseudoverschränkungen aus, sorgt insofern für ein geschmeidiges Leseerlebnis - ohne allerdings zu platt zu werden. Ganz im Gegenteil. Hier wird der "Kampf" eines Menschen zwischen innerer Zerrissenheit ("Das alte Parlament in seinem Kopf geriet in Aufruhr"), äußerem Anspruch (Erfolg muss Erfolg gebären) und damit verknüpften chaotischen Folgen (Plagiat, kriminelle Tat) sehr plastisch dargestellt.Nach eher mäßigen Erfolgen bei der Entwicklung von helixartigen Windturbinen und nach fünf gescheiterten Ehen sind jetzt Alternativen vonnöten. Im privaten Umfeld werden die festen durch eher lockere Bindungen ersetzt - zumindest versuchsweise. Im beruflichen Bereich stehen jetzt durch Photonenbeschuss freigesetzte Elektronen im Fokus des Wissenschaftlers. Es geht um nicht weniger als den Nachbau der pflanzlichen Photosynthese beziehungsweise die Nutzung des Wasserstoffs als Energieträger. Diese Zusammenhänge werden verständlich dargestellt und erlauben einen Blick in die grundsätzlich vorhandenen Möglichkeiten alternativer Energiequellen.Auch wenn die ständigen Frauengeschichten gelegentlich ein wenig ermüden und das Selbstmitleid des Protagonisten teils eine Drehung zu viel absolviert, so sind dies auch schon die einzigen Kritikpunkte an einem ansonsten herausragenden Roman.(19.1.2020)