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Ein Job

Kriminalroman. Originaltitel: The Job.
Taschenbuch
Ein kurdischer Killer in New York - ein Kriminalroman voll grotesker Komik.
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Produktdetails

Titel: Ein Job
Autor/en: Irene Dische

ISBN: 3423130199
EAN: 9783423130196
Kriminalroman.
Originaltitel: The Job.
Übersetzt von Reinhard Kaiser
dtv Verlagsgesellschaft

1. November 2002 - kartoniert - 160 Seiten

Beschreibung

Ein kurdischer Killer in NY
»Ein Buch wie ein Revolver - eine staubtrockene Persiflage auf die Krimis der Schwarzen Serie. Voll beißender Komik entrollt Dische einen irrwitzigen Plot ... Ein kleiner, feiner Roman, ein aberwitziges Kabinettstückchen.« Peter Henning in >Spiegel Reporter< Hamburger Abendblatt<

Portrait

Irene Dische wurde im »Vierten Reich«, einem deutsch-jüdischen Emigrantenviertel in New York City, geboren. Deutsch ist ihre Muttersprache. Ihr Vater, ein renommierter Wissenschaftler, stammt aus Galizien; ihre Mutter, 1939 aus Deutschland immigiert, war während der frühen sechziger Jahre Stellvertretende Obergerichtsmedizinerin von New York.
Irene Dische studierte in Harvard und lebt seit den achtziger Jahren vorwiegend ohne Aufenthaltserlaubnis in Berlin sowie in Rhinebeck/USA; ihr Antrag auf einen deutschen Pass ist vom Berliner Innenministerium zweimal abgelehnt worden. 1986 drehte sie den Dokumentarfilm ›Zacharias‹ über das Leben ihres Vaters. Von Hans Magnus Enzensberger entdeckt, veröffentlichte Irene Dische 1989 ihr literarisches Debüt, den Erzählungsband ›Fromme Lügen‹, der von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. Es folgten zahlreiche Romane und Erzählungsbände.
»Irene Dische mustert unsere verrückte Welt mit einer eigenartig geschliffenen Linse, die immer wieder neue Details heranholt, schmerzhaft nah, schmerzhaft genau.« Martin Ebel in der ›Hannoverschen Allgemeinen Zeitung‹

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Pressestimmen

"Genre-Mix, der geschickt mit Zuschauererwartungen spielt."
literatur.de

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 14.11.2000

Auch kurdische Killer schmelzen in New York
Irene Disches Kriminalroman "Ein Job" / Von Martin Halter

Deutsch sein hieß einmal: eine Sache um ihrer selbst willen tun. Das Ethos pflichtbewußter, selbstloser Arbeit ist ein wenig aus der Mode gekommen; heute will man nur noch einen "großartigen Job machen". Der Jobber ist der entwurzelte, flexibilisierte Mensch schlechthin. Er mag Aushilfskellner oder Auftragskiller sein: Als Teilzeitkraft ist er von keiner Mission mehr, nur noch von jenem unpathetischem Pragmatismus beseelt, dem alles gleichgültig ist. Irene Dische ist viel und zu Recht für den neuen, lakonischen Ton gefeiert worden, mit dem sie die heißen Eisen der deutschen Geschichte anfaßte, auf Betriebstemperatur herunterkühlte und als "Fromme Lügen" entzauberte. Als Deutsch-Amerikanerin und katholisch erzogene Tochter eines jüdischen Emigranten stand sie zwischen den Welten und tat ihren Job mit unerbittlicher Unbeteiligtheit, kalt bis ans Herz.

Aber der Erfolg von "Fromme Lügen" und "Der Doktor braucht ein Heim" ließ sich nicht wiederholen; schon ihr "Fremdes Gefühl" angesichts der deutschen Wiedervereinigung befremdete viele Kritiker nur noch. Nach einigen kleineren Arbeiten, Libretti und Kinderbüchern legt sie jetzt wieder einen Roman vor. Er ist als Kriminalroman (und Drehbuch für "The Assassin's Last Killing") ausgewiesen, aber beide Genrebezeichnungen führen auf eine falsche Fährte.

Alan Korcunç ist zwar ein Auftragskiller, wie er im Buche oder vielmehr in den Annalen der Filmgeschichte steht. Jean-Pierre Melvilles "Le Samurai" ("Der eiskalte Engel") lieferte eine der Vorlagen: So wie Alain Delon seinen Job mit der Präzision des Profis und der stoischen Unberührbarkeit des Kriegers bis zur rituellen Selbstauslöschung erledigte, ist auch Alan Korkunç ein Spezialist des Mordes: wortkarg, eiskalt, nur seinem Instinkt und Herkommen gehorchend. Dische sieht in ihm freilich weniger den Profikiller als den Fremden in New York: Wie einst ihre deutschjüdischen Emigranten spricht er kein Wort Englisch, hat alle Brücken hinter sich abgebrochen und macht gleichwohl wenig Anstalten, sich der amerikanischen Leid- und Leitkultur anzupassen.

Korkunç ist Kurde, doch der Freiheitskampf seines Volkes interessiert ihn nicht. Als Kind warf er Schneebälle gegen die türkischen Soldaten, die sein Dorf terrorisierten; einer von ihnen rettete ihn aus einer Schneewehe, ohne Dank dafür zu ernten. Von seiner kurdischen Identität sind Alan nur Lieder, vage Erinnerungen und das kalte Blut des Selbsthelfers geblieben. Er macht in Istanbul Karriere als Killer; von der türkischen Polizei verhaftet und gefoltert, wird er von Fluchthelfern außer Landes geschafft, um seine Freiheitsschuld mit einer Smith & Wesson abzuzahlen. Das "Gewimmel von übereinander kletternden, namenlosen Menschen, die im Gegensatz zu mir oder dir kein korrektes Englisch sprechen", ist nicht eigentlich ein Kulturschock für ihn; schließlich haben ihn die Bilder aus Hollywood geprägt. Aber New York hält andere Kränkungen für seinen Stolz bereit: In der Türkei war Alan eine "Diva", ein Pascha, dem ein Ruf vorauseilte und alle Annehmlichkeiten der Zivilisation - Joop-Socken, Mercedes, Heimbar, willige Frauen - zu Gebote standen. Jetzt muß er sich von Kellnerinnen, Verkäuferinnen und Society-Ziegen demütigen lassen, auf Maßanzüge, handgenähte Schuhe und Maniküre verzichten und sich wie ein dahergelaufener Kümmeltürke herumkommandieren lassen. Der König der Unterwelt sieht sich zum Laufburschen degradiert.

Ein Flüchtling, der Ansprüche stellt; ein Kurde, der für ein Auto den Sieg im Befreiungskrieg hergäbe; ein knapp dem Tod entronnener Gangster, der unter der Unkultiviertheit der New Yorker leidet; ein Orientale, der in der Hauptstadt der Welt nicht so sehr menschliche Wärme als Luxus und Freiheit vermißt: Dische stellt alle Vorurteile mit feiner Ironie und einer bis aufs Skelett abgemagerten Prosa auf den Kopf und auf die Probe. Alan ist das Medium, durch das hindurch sie indirekte, fremd-befremdete Blicke von außen auf ihre Wahlheimat richtet. Er sieht wenig Erfreuliches, denn Dische läßt ihren Ressentiments und Idiosynkrasien freien Lauf. Das macht ihren Roman zu einem kulturkritischen Kaleidoskop voll treffender und weniger treffender Bemerkungen über Gott und die Welt, Fernseh- und Eßgewohnheiten, Umgangsformen und Charakterfehler der Amerikaner. Rauchen ist verboten, Sodomie verpönt; dafür duldet man Gewalt, Pornographie und Doppelmoral. Großzügigkeit und Gastfreundschaft verraten den Deppen.

Immerhin gibt Amerika jedem Fremden die Chance, sich ohne nennenswerte Einbußen in eine neue Gemeinschaft einzufügen und in Stolz und Würde zu altern. Alan freundet sich mit seiner Nachbarin Mrs. Allen an, die sich ihrem gleichsam taubstummen und blinden Gast bald unentbehrlich als Spionin und Stadtführerin, Dolmetscherin und Sprachrohr macht. Die alte Dame blüht, der eiskalte Engel taut auf, sein Job erledigt sich wie von selbst. Er hat den Auftrag, die Familie eines türkischen Geschäftsmannes und berüchtigten Kurdenfressers zu töten. Nicht, daß Korkunç Skrupel hätte; aber wozu noch eine Frau erschießen, die ihren Mann gerade für einen jämmerlichen Sportwagenfahrer verlassen will?

Die als Kriminalroman getarnte Parabel vom Fremdsein unter Fremden kippt ins Märchen um: Alan bricht gen Westen auf und baut sich als Rancher und All American Daddy eine neue Existenz auf. Der Killer aus dem wilden Kurdistan, der in Amerika die für seinen Job so unerläßliche Kaltblütigkeit und ruhige Selbstgewißheit einbüßte, hat plötzlich keine Mühe mehr, sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden, die ihren Mitgliedern freie Hand bei ihrem Streben nach Glück gibt; so wird der Spion, der aus der Kälte kam, im Schmelztiegel weichgekocht und opfert seine düstere Vergangenheit auf dem Altar der Zukunft.

Nicht nur dieses höhnische Happy-End enttäuscht alle Erwartungen an das Genre. Dische setzt immer wieder die Logik des Kriminalromans außer Kraft, um ihren eigenen Plot zu erzählen. Oft fehlt ihr dabei die glückliche und ruhige Hand, die dieser Job zwingend erfordert. Manches wirkt beliebig, absichtsvoll cool, mutwillig verspielt, und nicht alle Schwächen gehen aufs Konto der wenig überzeugenden Übersetzung. Daß die Autorin uns im Türkischen jenen Sprach- und Landeskundeunterricht gibt, den ihr Held umgekehrt so standhaft verweigert, nähmen wir gerne hin. Aber in ihrem Vergnügen, alle Vorurteile spielerisch zu unterlaufen, überbietet sie sie durch den exzessiven Einsatz von Klischees sowohl des Gangstermelodrams wie des kurdischen Machos. Mem Alan, der König der Kurden, ist nicht nur Rassist, Potenz- und Waffenfetischist; er macht seine ersten sexuellen Erfahrungen mit Ziegen und Eseln, zündet seine Streichhölzer gern an seinem allzeit strammstehenden "kir" an und summt beim Schießen "Freude, schöner Götterfunken".

Vor allem aber pflegt er seinen Schnurrbart mit einer bei uns längst verkümmerten Hingabe. Dem Buch ist eine alte Werbeanzeige für "Selfadhesive Stylish Mustaches" beigegeben: Da gibt es das glamourös ausladende Sonntagsmodell "The Hollywood", das erigierte Montagsbärtchen "The Hero" oder den hängenden "Sheriff" für den Freitag. Am Ende ist der Bart ab. Die leere Stelle über der Oberlippe ist noch die geringste Irritation, die Irene Dische dem abendländischen Hochmut zumutet. Sie macht ihren Job gut, nämlich sarkastisch und kalt. Aber dem Mann, dem seine Identität so lose anhaftet wie ein selbstklebendes Bärtchen, hätte es gut zu Gesicht gestanden, wenn seine Männlichkeit mehr als nur eine Maskerade der Autorin gewesen wäre.

Irene Dische: "Ein Job". Kriminalroman. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Mickey Gondswaard. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2000. 169 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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