Jane Austens Liebe und Freundschaft ist ein funkelndes Jugendwerk in Briefform, das die Konventionen des empfindsamen Romans des späten 18. Jahrhunderts zugleich imitiert und demontiert. In der Geschichte um Laura und ihre dramatisch übersteigerten Bekenntnisse begegnen uns Ohnmachten, Zufälle, geheime Herkunft, moralische Exzesse und Freundschaftsschwüre in komischer Verdichtung. Austens Stil ist bereits hier von präziser Ironie, rhythmischer Zuspitzung und einem außergewöhnlichen Gespür für soziale Masken geprägt. Jane Austen, 1775 in Steventon geboren, wuchs in einem gebildeten Pfarrhaus auf, umgeben von Büchern, familiären Theateraufführungen und lebhaften Gesprächen. Diese Umgebung schärfte ihren Blick für Sprache, Rang, Geschlechterrollen und die performative Natur gesellschaftlicher Tugend. Liebe und Freundschaft entstand aus jener frühen Schreibpraxis, in der Austen literarische Moden prüfte, verspottete und für ihre spätere Kunst der indirekten Kritik vorbereitete. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die Austen nicht nur als Meisterin des Gesellschaftsromans, sondern als kühne Satirikerin entdecken wollen. Es eröffnet einen seltenen Blick auf die Werkstatt einer Autorin, deren jugendlicher Witz bereits erstaunlich souverän ist.