4,5 Sterne
Sophie ist die Hostin eines immer erfolgreicher werdenden Podcasts und möchte mit einem ganz besonderen Live-Event den nächsten großen Schritt machen. Dafür lädt sie vier ausgewählte Gäste in ein abgelegenes Bergchalet am Eibsee ein, um gemeinsam das mysteriöse Verschwinden des Bestsellerautors Adam Ashwood zu untersuchen. Ihr wohl größter Trumpf: ein bislang unveröffentlichtes Manuskript des Autors, das möglicherweise entscheidende Hinweise auf seinen Verbleib enthält. Das Publikum soll live miträtseln können, während Sophie und ihre Gäste versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch schon bald wird klar, dass längst nicht alle mit offenen Karten spielen und hinter dem vermeintlichen Fall noch einiges mehr steckt, als zunächst vermutet.
Was für eine tolle Idee! Allein das Setting, die Podcast-Thematik und die Ausgangslage haben mich direkt neugierig gemacht. Und ich muss sagen: Das Konzept wurde wirklich richtig gut umgesetzt! Ich mochte es sehr, gemeinsam mit den Figuren zu rätseln, Vermutungen anzustellen und immer wieder neue Hinweise aufzugreifen. Besonders schön fand ich dabei, dass im Laufe der Geschichte immer wieder kleine Details und Hinweise eingestreut werden, die zunächst vielleicht gar nicht so bedeutend erscheinen, am Ende aber zu einem Gesamtbild zusammenfinden. Rückblickend ergibt plötzlich so einiges Sinn und genau das liebe ich an solchen Geschichten!
Bei manchen Hintergründen hatte ich tatsächlich schon relativ früh eine Vermutung, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln könnte und was hinter bestimmten Verhaltensweisen oder Ereignissen stecken könnte. Diese Vermutungen haben sich im Verlauf der Handlung immer weiter verdichtet und miteinander verstrickt, trotzdem konnte mich die Geschichte am Ende noch mit einigen Überraschungen abholen. Für mich war das wirklich richtig gut gemacht, denn auch wenn ich manches erahnen konnte, hatte ich nie das Gefühl, der Geschichte schon einen Schritt zu weit voraus zu sein.
Ein ganz besonderes Highlight war für mich allerdings der feministische Grundton des Buches. Der hat mir unglaublich gut gefallen und war für mich fast schon das persönliche Herzstück der Geschichte. Es wird ein wichtiges Thema aufgegriffen, das sich meiner Meinung nach sehr stimmig durch das gesamte Buch zieht. Dabei wirkte es auf mich nie künstlich oder aufgesetzt, sondern fügte sich ganz selbstverständlich in die Handlung, die Gedanken und das Verhalten der Figuren ein. Gerade diese Selbstverständlichkeit fand ich richtig stark!
Auch die Charaktere mochte ich insgesamt sehr gerne. Besonders die unterschiedlichen Perspektiven haben mir gefallen, weil man dadurch einen vielschichtigen Blick auf die Ereignisse und ihre Hintergründe bekommt. Man erhält verschiedene Einblicke, kann Zusammenhänge besser einordnen und natürlich auch noch besser miträtseln.
Die drei Protagonistinnen waren mir dabei mit ihren Überzeugungen, ihrem Handeln, ihrem Feminismus und ihrer Stärke wirklich sympathisch.
Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich allerdings, dass ihre Charaktere in ihren Gedanken teilweise etwas ähnlich wirkten. Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Differenzierung gewünscht, da sich manche Gedankengänge durchaus auch einer anderen Figur hätten zuordnen lassen können.
Richtig gelungen fand ich außerdem die Umsetzung rund um den Podcast. Die einzelnen Podcastfolgen samt ihrer Aufmachung waren eine tolle Abwechslung innerhalb der Erzählung und haben dem Buch einen ganz eigenen Touch verliehen.
Auch Maras Instagram-Beiträge fand ich spannend und eine schöne Ergänzung, die die Geschichte noch einmal auf eine andere Weise bereichert hat.
Zusammen mit dem abgeschiedenen Bergchalet am Eibsee ist so eine Atmosphäre entstanden, die einfach wunderbar zur Handlung gepasst hat.
Zwischendurch hätte für mich jedoch gerne noch etwas mehr Action und zusätzliche spannungsgeladene Momente aufkommen dürfen.
Auch der Schluss konnte mich nicht ganz abholen. Zwar bin ich im Großen und Ganzen damit zufrieden, gerade in Hinblick auf den Täter hätte ich jedoch auf eine andere Konsequenz und vor allem mehr Gerechtigkeit gehofft. Die gewählte Lösung war mir persönlich etwas zu einfach und ließ mich mit einem leicht unbefriedigten Gefühl zurück.
Fazit
Alles in allem hatte ich mit Dead Air von Josi Wismar aber eine richtig gute Lesezeit!
Eine wirklich spannende und originelle Idee, ein tolles Setting, abwechslungsreiche Erzählperspektiven und vor allem ein feministischer Grundton, der mir besonders in Erinnerung bleiben wird. Ich hatte viel Freude am Miträtseln, mochte die kleinen Hinweise und ihre späteren Zusammenhänge und wurde trotz einiger früher Vermutungen immer wieder überrascht.