In "Von der Erde zum Mond" (1865) entwirft Jules Verne die kühne Unternehmung des Baltimore Gun Club, nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs ein bemanntes Projektil zum Mond zu schießen. Der Roman verbindet Abenteuererzählung, technische Spekulation und gesellschaftliche Satire: Mit scheinbar exakten Berechnungen, ballistischen Details und nüchterner Protokollsprache imitiert Verne wissenschaftliche Autorität, während er zugleich den Fortschrittsglauben und die militarisierte Energie des 19. Jahrhunderts ironisch beleuchtet. Im Kontext der "Voyages extraordinaires" markiert das Werk einen frühen Höhepunkt literarischer Science-Fiction. Jules Verne, 1828 in Nantes geboren, war geprägt von maritimen Imaginationen, naturwissenschaftlicher Popularisierung und dem publizistischen Programm seines Verlegers Pierre-Jules Hetzel, Wissen erzählerisch zugänglich zu machen. Seine juristische Ausbildung, seine Nähe zu Theater und Feuilleton sowie sein Interesse an Geographie, Astronomie und Technik formten einen Autor, der wissenschaftliche Diskurse in dramatische Handlungen übersetzte. "Von der Erde zum Mond" spiegelt besonders die zeitgenössische Faszination für Ingenieurkunst, Expansion und messbaren Fortschritt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die Ursprünge moderner Zukunftsliteratur verstehen möchten. Es bietet nicht nur Spannung und Erfindungsreichtum, sondern auch ein präzises Bild jener Epoche, in der Wissenschaft zur kulturellen Triebkraft wurde.