Da ich schon einige Bücher von Julia Bultmann gelesen habe, war ich unheimlich gespannt auf diesen Roman. Und sie hat mich nicht enttäuscht: Ihr gewohnter, feinfühliger Schreibstil hat mich auch dieses Mal von der ersten Seite an abgeholt.
Die Geschichte dreht sich um Emmi, die in München mit viel Herzblut versucht, ihren kleinen Bioladen vor dem Aus zu retten. In einer heftigen Regennacht beweist sie echtes Mitgefühl. Sie schaut nicht weg, sondern bietet dem obdachlosen Paul spontan Unterschlupf im Hinterzimmer an. Aus dieser Hilfe entsteht langsam eine sehr leise, wunderschöne Verbindung. Aber Paul trägt ein schweres Geheimnis mit sich herum, das ihn überhaupt erst auf die Straße gebracht hat. Er zieht immer wieder eine Mauer um sich, und als Emmi beginnt, Fragen zu stellen, stößt sie auf eine Wahrheit, mit der sie niemals gerechnet hätte.
Was mir an dem Buch besonders gut gefallen hat, ist der Aufbau. Die Geschichte wird parallel aus Emmis und Pauls Sicht erzählt, und durch die regelmäßigen Rückblenden in die Vergangenheit baut sich eine richtige Spannung auf. Man bekommt immer nur kleine Puzzleteile hingeworfen und möchte das Buch am liebsten gar nicht mehr weglegen, weil man unbedingt wissen will, was mit Paul passiert ist.
Ein echter Pluspunkt sind für mich auch die Nebencharaktere, wie zum Beispiel Sabine. Sie sind hier keineswegs nur Randfiguren, sondern bringen ihre eigenen Geschichten mit, die parallel weitererzählt werden. Dadurch bekommt das ganze Buch noch einmal viel mehr Tiefe. Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten und fühlen sich einfach echt an. Julia Bultmann schafft es einfach perfekt, ernste Themen mit einer großen Portion Wärme zu transportieren.
Für mich ist Spätsommerglühen ein absolutes Herzensbuch. Es zeigt die gewohnte Stärke der Autorin und ist eine wunderschöne Geschichte über Vertrauen und die Frage, wie wichtig zweite Chancen im Leben sind. Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und bin jetzt schon wahnsinnig gespannt auf die Fortsetzung!
Eine ganz klare Leseempfehlung von mir.