Was für ein wundervoller, herzerwärmender Roman. Still und leise plätschert die Geschichte vor sich hin, ganz im positiven Sinne. Ohne wildes Drama, aber mit Spannung, die sich unaufgeregt durch die Handlung zieht und einen mitnimmt auf der Reise der Protagonistin Emmi.
Emmi, die versucht, in München ihren Bioladen am Laufen zu halten. Emmi, die einem Obdachlosen eine Unterkunft anbietet. Emmi, die sympathischer kaum sein könnte: mutig, empathisch, optimistisch, verantwortungsbewusst und mit einer Prise Naivität. Emmi, die Zivilcourage zeigt. Und Emmi, die sich verliebt.
Kurz zum Inhalt:
Als es in einer Nacht nur so aus Kübeln schüttet, bietet Emmi Paul das Hinterzimmer ihres Bioladens zum Übernachten an. Im Gegenzug hilft er ihr im Laden. Die beiden freunden sich an und verbringen so einige schöne Momente miteinander. Doch Paul trägt ein Geheimnis mit sich, über das er partout nicht sprechen will und stößt Emmi schließlich von sich weg. Was hat er zu verbergen? Und warum fällt es ihm so schwer, sich zu öffnen? Das, was Emmi aber mit der Zeit erfährt, ist anders und größer, als sie es sich vorzustellen vermag. Was das ist und wie es dazu kommt, das lest ihr am besten selbst. Es lohnt sich.
Julia Bultmann versteht es auf wunderbar warme und feinfühlige Weise, die Geschichte um Emmi und Paul zu erzählen. Und sie bindet dabei auch die Nebencharaktere stimmig mit ein. Grob lässt sich erahnen, wohin die Reise geht, und doch gab es einige Passagen, in denen ich dachte: Jetzt passiert bestimmt gleich Passiert ist dann auch etwas, nur nicht das, womit ich gerechnet hatte. Genau das hielt die Spannung auf angenehme Art aufrecht.
Auch das Setting hat mir sehr gefallen. Ob in Emmis Bioladen, am Starnberger See oder in der Münchner U-Bahn, ich hatte immer ein Bild vor Augen, das die Geschichte begleitet hat. Ja, und so fliegen die knapp 350 Seiten einfach dahin.
Ein Roman, für gemütliche, entspannte Lesestunden auf der Couch, im Bett oder in der Badewanne.