Hordubal (1933) erzählt die Rückkehr des ruthenischen Bauern Juraj Hordubal aus Amerika auf seinen Hof in den Karpaten. Statt häuslicher Heimkehr findet er Entfremdung: seine Frau Polana, die Tochter und der Knecht Stepan Manya bilden eine Ordnung, in der er zum Fremden geworden ist. Capek verbindet bäuerlichen Realismus, psychologische Genauigkeit und kriminalistische Spannung; als erster Teil seiner sogenannten noetischen Trilogie untersucht der Roman, wie unsicher Wahrheit wird, sobald sie durch Erinnerung, Interesse und Institutionen vermittelt ist. Karel Capek, 1890 in Böhmen geboren und 1938 in Prag gestorben, war Journalist, Dramatiker, Erzähler und einer der scharfsinnigsten humanistischen Intellektuellen der Zwischenkriegszeit. Bekannt durch R. U. R. und Der Krieg mit den Molchen, beschäftigte er sich immer wieder mit Verantwortung, Erkenntnis und den Gefahren vereinfachender Ideologien. Hordubal dürfte aus seiner Aufmerksamkeit für kleine Leute, Randregionen der Tschechoslowakei und die Brüchigkeit moderner Rechts- und Wahrheitsansprüche erwachsen sein. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die keinen bloßen Kriminalfall, sondern eine literarische Untersuchung menschlicher Wahrnehmung suchen. Hordubal ist knapp, eindringlich und von stiller Tragik; er zeigt, dass ein Leben selbst nach Urteil und Aktenlage ein Geheimnis bleibt.