Ein schönes Buch für Drachenfans mit tollen Charakteren und einigen gelungenen Ideen
Jadina ist eine Jägerin, zugehörig zum Wüstenvolk, das seit Jahrzehnten erbittert gegen die Drachenreiter zu kämpfen hat. Das Wüstenvolk und die Drachenreiter - einst in einer Gemeinschaft vereint, bis ein Fluch das Land in zwei Teile spaltete und diese erbitterte Feindschaft herstellte. Für Jadina sind die Reiter die erklärten Feinde, was es ihr nicht erträglicher macht, dass sie eines Tages in deren Schloss hoch im Gebirge verschleppt wird. Der Grund: Gemeinsam mit drei anderen Jägerinnen soll sie einen gefährlichen Wettkampf durchlaufen, an dessen Ende die Bindung an einen Drachen winkt. Denn gleichzeitig mit dem Fluch kam auch eine Prophezeiung auf. Eine Prophezeiung, die besagt, dass eine tapfere Jägerin, verheiratet mit dem König der Reiter, den Feind vernichtend schlagend und Frieden bringen wird. Jadina ist ganz und gar nicht begeistert - weder davon, aus ihrer heimatlichen Wüste gerissen zu werden, noch von der Vorstellung, tödliche Spiele zu durchlaufen und im Anschluss vielleicht den machtgierigen König heiraten und ihr eigenes Volk auslöschen zu müssen. Zumal ihr Herz für jemand ganz anderen schlägt: für Kayden, den Staffelanführer, der sie aus ihrer Heimat entführte und dem sie nichts als Verachtung entgegenbringen sollte. Eine nervenzehrende Zeit bricht an, in der Jadina zwischen Einsamkeit und Loyalitätsbruch schwankt, sich mit den Gedanken an den Wettkampf anfreunden und ihr Herz immer wieder davon abbringen muss, sich in Kayden zu verlieben. "Wings & Claws" ist der erste Band der vierteiligen "A Throne of Roses and Thorns"-Saga (Band 2: "Glass and Mirrors", Band 3: "Tears and Roses", Band 4: "Thrones and Hearts"). Die drei Hauptbestandteile der Saga: Drachen, verfeindete Reiche und Romance. Der Klappentext hat mich deutlich angesprochen, weshalb ich sehr gespannt auf das Lesen dieses Buches war. Es beginnt sehr spannend und man wird direkt in die Handlung hineingeworfen, ohne eine lange Anlaufzeit zu benötigen, in der man sich langsam mit der Geschichte anfreundet. Ich war sofort drin und bin auch jedes Mal schnell hineingekommen, wenn ich das Buch nach einer Lesepause wieder aufgeschlagen habe. Die erste Hälfte hat sich ein wenig in die Länge gezogen und war, abgesehen vom Einstieg, gelegentlich etwas "langweilig". Gefallen hat mir an diesen Passagen jedoch, dass Jadina eine Wandlung durchlaufen hat, die sie stärker und wissender gemacht hat. Wirklich mitgefiebert habe ich allerdings erst ab der zweiten Hälfte, als die Wettkämpfe begannen. Meinem Gefühl nach kommen die Wettkämpfe etwas zu kurz und hätten ruhig früher beginnen können, da sie ein wesentlicher Bestandteil von Band 1 sind. Die erste Hälfte des Buches war demnach lediglich eine Art Einleitung, die den Leser auf die eigentliche Spannung vorbereitet hat. An Wendungen hat es nicht gemangelt, allerdings waren viele von ihnen nicht wirklich überraschend. Das Ende steckt voller atemloser Höhepunkte, davor war ich jedoch nur selten verwundert, wenn eine Heimlichkeit aufgedeckt wurde. Auch finde ich, dass gründlicher auf die Beschaffenheit des Drachenschlosses hätte eingegangen werden können, da dieses immerhin Jadinas Hauptaufenthaltsort ist. Es gibt ein paar sehr interessante Räume, die Abwechslung in die Umgebung einbringen, aber im Großen und Ganzen ist es mir schwergefallen, mir das Schloss vorzustellen. Ein kleines bisschen haben mir auch die Drachen gefehlt. Dafür, dass "Wings & Claws" als Drachenbuch ausgeschrieben ist, kamen diese Wesen nur sehr spärlich darin vor, teilweise über zig Seiten hinweg gar nicht. Irgendwann kommt man mit einem einzelnen Drachenexemplar etwas näher in Berührung, aber auch dieses ist nur sporadisch beschrieben, sodass der "Drachen-Vibe" kaum bei mir angekommen ist. Die Atmosphäre des Buches ist nur schal - ich hatte das Gefühl, lediglich an der Oberfläche der Geschichte zu kratzen und nicht wirklich davon eingenommen zu werden. Das Mitfiebern habe ich vermisst, und die tiefere emotionale Anteilnahme. Die Charaktere sind sympathisch, wenn auch ein wenig eindimensional. Es gibt ein paar sehr gut ausgearbeitete Nebenfiguren, die durch Einzigartigkeiten punkten, aber bei Jadina habe ich wieder das bereits erwähnte Problem: das Fehlen der Tiefe. Sie ist fraglos nett und verfügt über tolle Eigenschaften, aber sie hat nichts an sich, was sie aus einer Menge herausstechen lassen würde. Gerade bei den Protagonisten finde ich es wichtig, dass sie über Individualität verfügen. Kayden ist abwechslungsreicher gestaltet, dafür aber auch klischeehaft. Er schwankt zwischen missgelaunter Unnahbarkeit und liebevoller Vertrautheit, sodass man ihn nur schwer einschätzen kann - wie zurzeit so ziemlich jeder zweite Bookboyfriend. Dafür, dass ich hohe Erwartungen an das Buch hatte, habe ich mir schlichtweg mehr gewünscht. Wie ich schon sagte: die Nebenfiguren dagegen gefallen mir sehr gut. Der Schreibstil. Er ist flüssig und weist gute Metaphern auf, ohne zu poetisch und verschlungen zu wirken. Er liest sich einnehmend und geht sowohl gelegentlich auf gelungene Beschreibungen ein, als auch auf das Transportieren von Emotionen. Die Dialoge hingegen sind zu einem großen Teil sehr unauthentisch gestaltet - so, wie Jadina sich ausdrückt, würde kein Mensch in der Wirklichkeit reden. Hin und wieder wirkt er etwas unbeholfen, als sei es das erste Buch der Autorin und als sei sie einfach noch ein wenig ungeübt. Als rundheraus "schlecht" ist der Schreibstil jedoch nicht zu betiteln. Ich bin ganz ehrlich: Der erste Teil von "A Throne of Roses and Thorns" hat mir gefallen und ich habe ihn gerne gelesen, aber er hat mich nicht umgehauen. Die Protagonisten waren mir zu wenig tiefgründig und es wurde zu wenig auf das Hauptthema - den Wettkampf - eingegangen. Außerdem habe ich einige Elemente entdeckt, die den "Fourth Wing"-Büchern ähneln. Einerseits habe ich mich darüber gefreut, weil ich so zwischendurch ein bisschen "Fourth-Wing-Luft" schnuppern konnte. Andererseits ist es mir persönlich lieber, wenn alle Bücher weitestgehend einzigartig sind und keine Elemente voneinander kopieren. Diese Rezension fiel nun strenger aus als geplant. Es stimmt, dass ich einige Kritikpunkte habe, nichtsdestotrotz würde ich eine Leseempfehlung für High-Fantasy-Fans aussprechen, für die Romantik und eine kleine Prise Spice dazugehört. Die Beziehung zwischen Jadina und Kayden hat sich sehr schön entwickelt und es hat mir Freude bereitet, die beiden wachsen und einander annähern zu sehen. Da der Schluss des Buches, wie bereits erwähnt, durch Unerwartetes punktet und es mir sehr gut gefallen hat, habe ich auf jeden Fall vor, auch die nächsten Bände der Reihe zu lesen.