Ein Buch das nachhallt, das bereichert, das weh tut.
"Ästhetik ist wurscht. Es geht nur um Sinnhaftigkeit"In "Wild wuchern" begleiten wir Marie, die Hals über Kopf aus Wien flieht und sich schließlich in der einsamen Berghütte ihrer Cousine Johanna wiederfindet.So viel zur Geschichte. Mehr muss man nicht wissen. Beide Charaktere mochte ich gerne, wobei ich Johanna mehr ins Herz geschlossen habe. Sie ist die Eremitin, die die Gesellschaft von Tieren die der Menschen vorzieht und ihr Leben auf der Berghütte fernab der Zivilisation verbringt. Marie mochte ich zwar auch, aber sie ist eher das Stadtmädchen. Sie ekelt sich vor der Hütte und dem eiskalten Wasser aus dem Brunnen. Aber sie passt sich an.Jetzt zu den Details. Ich bin völlig überwältigt von der Klugheit dieses Romans. Katharina Köller schreibt eine sehr präzise Gesellschaftskritik und legt den Finger direkt in die Wunde. Es geht um die Entfremdung zur Natur, psychologischen Missbrauch, gestörte Eltern-Kind-Beziehung, Feminismus und Identitätssuche und um so viel mehr, was mir beim ersten Lesen bestimmt entgangen ist.Man möchte denken, ein Buch, das so viele verschiedene Themen abdecken möchte, erfüllt seine Aufgabe eher schlecht als recht. Nicht so hier. Katharina Köller muss nicht großartig ins Detail gehen, denn jeder Satz ist so auf den Punkt gebracht und trifft so ins Mark, sodass nicht mehr Worte oder mehr Details benötigt werden.Also ein unfassbar gut geschriebener Roman, der in mehrere Richtungen den ausgestreckten Mittelfinger zeigt, ohne an Klugheit oder Würde zu verlieren. Ein Buch das nachhallt, das bereichert, das weh tut.Lest es!