Mochte es richtig gerne!
Wow, ich bin an einem Tag durch dieses Buch gefegt und irgendwie noch ganz benommen.Es geht um zwei sehr unterschiedliche junge Frauen, die zusammen aufgewachsen sind und sich dann aus den Augen verloren haben. Marie flieht gleich am Anfang aus Wien hinauf auf die Berghütte, in der ihre Cousine seit Jahren ganz alleine mit ein paar Tieren lebt. Johanna ist nicht gerade erfreut Marie zu sehen, nimmt sie aber auf, nicht ohne sie gleich zu fragen, wann sie wieder geht.Dieses Buch ist ein Kammerspiel mit sehr reduzierter Sprache, (denn Johanna redet kaum) und ganz vielen inneren Monologen von Marie, die sich auf dieser Alm auch an einem Ort weit entfernt von ihrer Komfortzone befindet.Nach und nach erfahren wir als Leser von den Kindheitstraumata beider Frauen und von Marie's Ehe mit einem gewalttätigen Mann. Und ganz beiläufig beschreibt die Autorin grandios eine Gesellschaft, die von toxischer Männlichkeit geprägt ist, wo Frauen bzw. Mädchen überall kleingehalten werden. Die Frauen nähern sich in der Enge der Berghütte sehr langsam an und merken, dass sie, so unterschiedlich sie sind, von der jeweils Anderen nur profitieren können.Katarina Köller schreibt so atmosphärisch, dass man das Leben auf dieser Alm in jeder Faser spüren kann. Ganz großartig! Dann hat ihre Sprache eine solche Wucht, unglaublich! Ein bißchen Dialekt sorgt für zusätzlichen Charme. Johanna's Liebe zu Tieren ist auch ganz wunderbar beschrieben. Und nach allem was sie erlebt hat, kann man sehr gut nachvollziehen, dass sie die Gesellschaft von Tieren, der Gesellschaft mit Menschen vorzieht.Ich mochte dieses Buch so so gerne und kann es nur wärmstens empfehlen. Ein Lesehighlight!