Der Roman Die Scheiterhaufen der Inquisition ist ein außergewöhnliches literarisches Werk, das durch seine sprachliche Eleganz, psychologische Tiefe und historische Authentizität besticht. Schon die ersten Seiten schaffen eine bedrückende, zugleich faszinierende Atmosphäre Augsburg im Jahr 1578 wird nicht nur als Ort, sondern als lebendiges, atmendes Wesen dargestellt.
Die Figuren sind keine bloßen Träger der Handlung, sondern komplexe, glaubhafte Charaktere mit inneren Konflikten. Besonders Johann Ehrenberg, ein junger Inquisitor zwischen Pflicht und Zweifel, und Élise Bonnet, eine gebildete Heilerin, die fälschlich der Hexerei beschuldigt wird, wachsen dem Leser ans Herz. Ihre Begegnung ist nicht nur ein dramatischer Wendepunkt, sondern auch eine stille, eindrucksvolle Reflexion über Wahrheit, Menschlichkeit und Mut.
Die Sprache ist gehoben, bildhaft, manchmal beinahe barock aber stets kontrolliert und präzise. Es ist ein Text, der gelesen und erneut gelesen werden will, um seine vielen Schichten zu entdecken.
Die zentrale Thematik der Kampf zwischen institutionalisierter Gewalt und individueller Erkenntnis ist zeitlos. Der Autor fordert den Leser heraus, mitzufühlen, mitzudenken und zu hinterfragen.
Fazit: Ein großer Wurf. Literarisch anspruchsvoll, thematisch relevant und emotional fesselnd. Dieser Roman gehört in die erste Reihe der modernen historischen Literatur.