Rachel Weiss steht kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag und gefühlt an einem Wendepunkt. Der Job fühlt sich beliebig an, Dates bleiben oberflächlich und der Gruppenchat mit den besten Freundinnen ist zugleich Rückzugsort und Echokammer. Während Rachels Mutter eifrig versucht, sie mit einem wohlhabenden passenden Mann zu verkuppeln, gerät Rachels Selbstbild immer mehr ins Wanken. Zwischen Dating-Apps, verpflichtender Therapie am Arbeitsplatz und familiärem Chaos stellt sich die Frage, ob Stillstand wirklich das ist, was ihr Leben ausmachen soll.
Rachel ist keine klassische Sympathieträgerin und genau das macht sie interessant. Sie ist egozentrisch, widersprüchlich, manchmal anstrengend, aber auch sehr menschlich. Viele Entscheidungen wirken fragwürdig, manche Haltungen bewusst provokant, und genau darin spiegelt sich ein Lebensgefühl, das vielen aus den späten Zwanzigern vertraut sein dürfte. Besonders stark ist auch die Freundschaftsdynamik. Der Gruppenchat steht sinnbildlich für Nähe, Unterstützung, aber auch für gegenseitige Bestätigung und Stillstand. Der Roman setzt klarere Akzente auf Selbstfindung und Freundschaft als auf Romantik, was nicht immer die Erwartungen erfüllt, aber thematisch konsequent bleibt. Humorvolle Dialoge und pointierte Beobachtungen lockern die Geschichte auf, auch wenn nicht jeder Witz trifft und manche gesellschaftlichen Themen eher grob als feinfühlig behandelt werden. Rachels Entwicklung braucht Zeit, wirkt am Ende aber ehrlich verdient.
Gruppenchat zum Frühstück ist eine moderne, stellenweise polarisierende Geschichte über Orientierungslosigkeit, Privilegien, Freundschaften und das langsame Erwachsenwerden. Keine perfekte Heldin, keine makellose Romantik, aber dafür ein Roman, der zum Nachdenken anregt und besonders jene anspricht, die ungeschönte Figuren und messy Lebensphasen mögen. Ideal für zwischendurch, mit Ecken, Kanten und Wiedererkennungswert.