Alles zur Zufall
Würde man sich die Mühe machen, mit dem derzeitig verfügbaren Wissen das Entstehen von Leben auf dieser Welt zu erklären, so würde man schnell zu der Feststellung gelangen, dass alles eine Folge "glücklicher" Zufälle war (und ist), die allerdings, in ihrem jeweiligen Kontext betrachtet, bereits gewisse Voraussetzungen notwendig machten. Kurz: Sobald bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, können sich einzelne (subatomare) Teile zu einem größeren Ganzen verbinden und ihrerseits wieder neue Chancen zur Verfügung stellen.Und was hat das alles mit dieser geradezu genial erzählten Geschichte zu tun, in der der Schmerz des Verlustes Dreh- und Angelpunkt ist und den Protagonisten nicht nur zu einem Leidenden, sondern auch zu einem Getriebenen machen, zu einem, der sich förmlich an jeden Strohhalm klammert, um das ungeschehen zu machen, was nicht ungeschehen gemacht werden kann. Auch hier geht es um die (in diesem Fall) unglückliche Verkettung von Umständen/Zufällen, die als Resultat eine Tragödie zur Folge hat. Hier, quasi als Intro für die gesamte Geschichte eindrücklich vorgestellt und beginnend vor 300 Millionen Jahren: "Die Unterseite des Motorblocks war vor sechs Jahren beim Northridge-Erdbeben [17. Januar 1994] - verursacht durch vor aberhundert Millionen Jahren in Bewegung geratenen Erdkrustenplatten - in der Struktur beschädigt worden. Durch Armillos Manöver schrammte der Motorblock nun über den Beton der Bordsteinkante [...] Um acht Minuten nach halb eins [am 22.12.2000] verloren die Räder meiner Harley [...]." Was sich in der Folge entwickelt, wie die Phasen der Wut (des Hasses), der Trauer, des Schmerzes verarbeitet werden, welche zufälligen (oder auch geplanten) Zusammentreffen eine weitere Verkomplizierung bei gleichzeitigem (Er)lösungsversprechen hervorrufen, wird hier kongenial erzählt, nimmt einen gefangen und führt doch zu keinen einfachen Lösungen; hier gibt es kein Schwert, was den Gordischen Knoten durchtrennen könnte, nur Verwicklungen, die teils erkenntnisfördernd, teils heilend sind - und mit der Aussicht auf Frieden mit den nicht zu ändernden Dingen auf dieser Welt.(21.5.2024)