Zwei Landkarten auf einem Tisch: Mecklenburg-Vorpommern, 23. 213 Quadratkilometer Israel, 22. 070. Der Unterschied ist kleiner als die Stadtstaaten Hamburg und Bremen zusammen. Liko Klee formuliert das Gedankenexperiment, das kein Leitartikel wagt, nicht in einem Konferenzsaal, sondern in Ravensbrück: Wo vernichtet wurde, wird Schutz angeboten die exakte Umkehrung der Raumregie von Compiègne, die 1940 den Waggon an dieselbe Stelle rollen ließ, um Geschichte zu demütigen. Aus Ernst, nicht aus Meinung.
Das Experiment steht nicht am Anfang, sondern am Ende einer Tiefenschicht: Der Holocaust erscheint hier nicht nur als historisches Verbrechen, sondern als ontologischer Riss; Israel nicht nur als Staat, sondern als Verdichtungsraum fortdauernder Bedrohung; Deutschland nicht nur als Erinnerungsland, sondern als Ursprung einer Schuld, die sich weder erledigen noch verrechnen lässt. Mit Begriffen wie Grund, Phaenon und Lebenskapsel verschiebt sich der Blick weg von der raschen politischen Meinung, hin zu der Frage, wie Orte, Erinnerung, Schutz und Angst sich im Inneren einzelner Menschen ablagern.
Kein journalistischer Kommentar, keine moralische Schnellschrift ein philosophisch-literarischer Versuch darüber, ob unbegleichbare Schuld etwas anderes werden kann als Ritual.