Langatmiger Thriller, der einen doch immer wieder kurzzeitig am Haken hat.
In Die Fremden in meinem Haus wird eine scheinbar normale häusliche Situation nach und nach zu einem Ort der Unsicherheit und Bedrohung. Die Geschichte dreht sich um das Eindringen von Fremden in den privaten Raum der Protagonistin und die Frage, wie gut man den Menschen um sich herum - und letztlich auch sich selbst - wirklich trauen kann. Der Roman spielt stark mit Misstrauen, Angst und dem Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.Der Einstieg in die Handlung ist spannend und macht neugierig, allerdings hat sich das Buch für mich im Mittelteil deutlich gezogen. Nach etwa 200 Seiten hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte auf der Stelle tritt und ich mich gefragt habe, was nun noch Entscheidendes passieren soll. Viele Entwicklungen wirkten zu diesem Zeitpunkt bereits absehbar, wodurch ein Teil der Spannung verloren ging. Die Handlung war insgesamt recht vorhersehbar, was das Leseerlebnis etwas gedämpft hat.Trotzdem gab es immer wieder spannende und auch gut platzierte Momente, die dafür gesorgt haben, dass ich das Buch nicht abbrechen wollte. Gerade in einzelnen Szenen gelingt es der Autorin, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen, die einen weiterlesen lässt. Die Spannung kommt also eher in Wellen als konstant.Die Charaktere waren insgesamt solide gezeichnet, auch wenn sie mich emotional nicht immer vollständig erreicht haben. Ihre Motive konnte ich größtenteils nachvollziehen, besonders die Angst und Unsicherheit der Hauptfigur wirkten glaubwürdig. Gleichzeitig hätte ich mir bei manchen Figuren mehr Tiefe oder überraschendere Entwicklungen gewünscht.Aus dem Buch habe ich vor allem mitgenommen, wie fragil das Gefühl von Sicherheit sein kann und wie schnell sich das Vertraute ins Bedrohliche verwandelt. Es regt dazu an, über Vertrauen, Grenzen und das eigene Zuhause als vermeintlich sicheren Ort nachzudenken.Empfehlen würde ich Die Fremden in meinem Haus vor allem Leserinnen und Lesern, die psychologische Spannung mögen und Geduld mitbringen. Wer langsame Erzählweisen und eine schleichende Bedrohung schätzt, könnte an dem Buch Gefallen finden. Wer jedoch schnelle Wendungen und ein hohes Erzähltempo erwartet, könnte sich - so wie ich - zwischendurch etwas verloren fühlen.