Der
dänische Journalist Matthew Cave ist auf der Suche nach seiner
verschwundenen Halbschwester erneut in Grönland unterwegs, wieder in
Begleitung der geheimnisvollen Inuit Tuparnaaq. Doch statt auf Arnaaq
finden sie lediglich Blutspuren, die auf eine grausame Tat hindeuten.
Seine Ermittlungen bleiben nicht unentdeckt und ziehen die
Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Denn nicht nur Arnaaq, sondern
auch den gemeinsamen Vater umgibt ein düsteres Geheimnis...Mads
Peter Nordbo ist so sehr von Grönland fasziniert, dass er nicht nur
selbst dorthin übergesiedelt ist, sondern auch seine Buchreihe um
Matthew Cave in seiner Wahlheimat spielen lässt. Der zweite Band
"Eisgrab" kann den positiven Eindruck seines Vorgängers halten und in
einigen wichtigen Details sogar noch steigern, dennoch sollte man die
Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens lesen und nicht einfach mit
dem vermeintlich stärkeren Band anfangen - wichtige Zusammenhänge gehen
dabei nämlich verloren und erschweren dann das Verständnis. Doch eben
darin liegt die Stärke und die Steigerung der Stimmung: Man taucht noch
tiefer in die Figuren ein, lernt insbesondere Matthew noch besser kennen
und wird mit einem überraschend komplexen Hintergrund belohnt. Nun
konnte ich auch eine engere Bindung zur Hauptfigur aufbauen und so mehr
mitfiebern als im ersten Teil. Deswegen ist es etwas bedauerlich, dass
der Autor noch auf äußerst grausame Morde und recht explizite
Beschreibungen zurückgreift - was zwar sicherlich die Stimmung steigert,
insgesamt aber doch etwas überzogen wird.Sehr gut gefällt mir
die dichte Stimmung Grönlands mit seinen eisigen Weiten und der sehr
detailreich und atmosphärisch geraten ist. Die Landschaften, aber auch
die Bevölkerung und der Bezug zu den Inuit sind sehr gut geschildert.
Auch der Ablauf der Handlung weiß zu überzeugen, immer weitere
Wendungen, Informationen und Überraschungen sorgen für viel Spannung.
Sicherlich war einiges vorauszuahnen, dennoch wollte ich immer wissen,
wie es weitergeht und wie alles zusammenhängt. Besonders gelungen ist
das Thema mit einem gesellschaftspolitisch brisanten Thema um Macht,
Erniedrigung und Unterdrückungen unter einem perfiden Deckmantel - sehr
packend aufbereitet und besonders schrecklich, weil ähnliches immer mal
wieder tatsächlich zutage gefördert wird."Eisgrab" ist
atmosphärisch genau wie sein Vorgänger sehr dicht erzählt und packend
geraten, auch wenn die Brutalität einiger Taten zu dick aufgetragen
wirkt. Doch die Gestaltung der Charaktere und besonders Matthews
familiärer Hintergrund überzeugen mit deutlich mehr als noch im ersten
Band, der enge Zusammenhang zwischen ihm und dem Fall bringt zusätzliche
Brisanz mit ein. Wieder wird auf zwei Zeitebenen erzählt, sodass eine
komplexe und sehr lesenswerte Geschichte entstanden ist.