¿¿¿ Extrem dichte Dark Fantasy ohne Romantik, aber mit Kriegernonnen, Politik, Intrigen und Konsequenz ¿¿¿
Meine Gedanken und GefühleKlingentänzerist kein Buch für "mal eben nebenbei". Die Geschichte ist so dicht, komplex und verschachtelt erzählt, dass volle Aufmerksamkeit Pflicht ist. Besonders Äbtissin Glas spinnt Intrigen, deren Bedeutung sich oft erst viel später - teils sogar erst im nächsten Band - vollständig erschließt. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass scheinbar nebensächliche Szenen oder beiläufige Handlungen aus früheren Kapiteln plötzlich entscheidend werden.Umso dankbarer war ich für die Zusammenfassung am Anfang. Trotz nur drei Monaten Abstand zu Band 1 hatte ich einiges entweder nicht mehr präsent oder beim ersten Lesen gar nicht bewusst erfasst. Erst dadurch haben sich manche Zusammenhänge wirklich geschlossen - ein echter Service des Autors.Die Charaktere sind noch immer sehr jung, Novizinnen eines Klosters, und Liebesgeschichten spielen keine Rolle. Das Buch braucht sie auch absolut nicht. Stattdessen setzt Mark Lawrence konsequent auf Entwicklung, Loyalität, Rivalität und Ideale.Während Band 1 stark auf Nonas persönliche Geschichte fokussiert war, verschiebt sich der Schwerpunkt hier spürbar: weniger emotionale Tiefe einzelner Figuren, dafür deutlich mehr Welt, Politik und Machtgefüge. Klingentänzer ist damit ein klassischer zweiter Band - vieles wird weitergetrieben, anderes bewusst für den dritten Teil in Stellung gebracht.Die Geschichte ist klar zweigeteilt:Die erste Hälfte bleibt im Kloster und zeigt, wie Nona und ihre Freundinnen mit den Verlusten aus Band 1 umgehen, ihre Fähigkeiten ausbauen und wie sich neue Feindschaften herausbilden. Die Zeitspanne von mehreren Jahren zwischen den Büchern war mir beim Lesen übrigens nicht immer bewusst - der Stil ist so dicht, dass mir solche Infos mehr als einmal durchgerutscht sind.In der zweiten Hälfte verlassen sie den Konvent: Flucht vor der Inquisition, Verhaftung von Äbtissin Glas, ein Palast-Showdown und die Enthüllung eines größeren Plans.Kämpfe werden zunehmend überzeichnet, fast animehaft - gerade mit Schattenweben und Fadenwerk. Realistisch ist das nicht, aber stimmig innerhalb dieser Welt. Und ja: Nona tötet wieder einen Thaxis. Dieses Mal den Vater. Stärken¿Extrem komplexe, langfristig gedachte Handlung¿Starke Weiterentwicklung von Nona: mehr Geschick und Intelligenz, weniger rohe Gewalt¿Konsequenter Fokus auf Welt, Politik und Machtstrukturen¿Effizienter, schnörkelloser Stil, der perfekt zur Atmosphäre passt¿Die Kriegernonnen sind so durchtrieben und zielgerichtet wie die Sprache selbstSchwächen¿¿ Hohe Konzentration nötig - kein verzeihender Text¿¿ Weniger emotionale Nähe zu den Figuren als in Band 1¿¿ Die Geschichte um den Dämon Keot erschließt sich erst spät wirklich¿¿ Manche wichtige Informationen gehen im dichten Stil leicht unterFazit & EmpfehlungKlingentänzerist Dark Fantasy mit Anspruch. Ein Mittelband, der nicht gefallen will, sondern vorbereitet, vertieft und verschiebt. Wer schnelle Befriedigung oder große Emotionen sucht, wird hier nicht glücklich. Wer jedoch Freude an komplexem Worldbuilding, politischen Verknüpfungen und einer klug erzählten Entwicklung hat, bekommt ein starkes, konsequentes Buch. Kein Leichtgewicht - aber genau deshalb so gut. ¿¿¿