Ich habe diesem Buch 5 Sterne gegeben, da es ein Jugendbuch ist und ich keine Maßstäbe anlegen wollte, die der Kategorie nicht gerecht werden. Hätte ich nur meinen persönlichen Eindruck bewertet wären es eher 4 Sterne geworden.Erzählt wird die Geschichte von Paul aus seiner eigenen und der Perspektive von Familienmitgliedern, Freunden und Mitschülern. Paul ist im Spektrum (sagt man es so?), da er unter dem Asperger-Syndrom leidet, was aber erst in der Psychiatrie erkannt wird als er bereits 16 Jahre alt ist. Außerdem leidet er unter einer schweren Depression. Paul wird sich im Laufe der Erzählung umbringen, was bereits zu Beginn des Buches klar kommuniziert wird.Nicht nur die Erzählperspektiven sondern auch die Zeitebenen wechseln und man muss sich die Geschichte aus einzelnen Puzzlestücken zusammen reimen, was aber ganz interessant ist.Ich denke, dass Paul eher eine reaktive als eine endogene Depression hat und das ist tragisch, denn es wäre vielleicht nicht zum Selbstmord gekommen wenn im Vorfeld von verschiedenen Beteiligten andere Entscheidungen getroffen worden wären. Natürlich ist Paul auf Grund seiner Neurodiversität anders und wird ausgegrenzt, da seine Verhaltensweisen in der rauen Zeit der Pupertät von seinen Altersgenossen nicht als unbedingt cool empfunden werden. Paul leidet sehr darunter und fühlt sich minderwertig, wäre seine Diagnose zu einem früheren Zeitpunkt gestellt worden, hätte er wahrscheinlich mehr Hilfe an die Hand bekommen um ihm das Erwachsenwerden zu erleichtern. Ein verantwortungvoller Therapeut hätte wahrscheinlich auch davon abgeraten einem so vulnerablen Jugendlichen ein Auslandsjahr in einem Internat in Japan zu ermöglichen, auch wenn Paul sich das selbst gewünscht hat weil er sich sehr für die japanische Kultur interessierte und das japanisch lernen seiner intellektuellen Hochbegabung entgegen gekommen ist. Aber ohne stabilisierendes Umfeld leidet er in dem Internat sehr und muss schließlich den Aufenthalt auf Grund von zunehmenden psychischen Problemen abbrechen.Als Jugendbuch soll die Erzählung sicher auch eine Suizidprävention leisten und auf die Probleme Neurodiversität und Depression aufmerksam machen. Mir als Erwachsener war die Geschichte etwas zu glatt und die Protagonisten zu eindimensional. Besonders die Betroffenheit des weiteren Umfelds wurde schon ein bisschen dick aufgetragen. Dass selbst seine ehemalige Kindergartenbetreuerin auf Grund des Selbstmordes am Boden zerstört ist, ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt.Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen, einiges hat mich an meine eigene Jugend erinnert und ich fand alle Charakteren sympathisch und glaubhaft gezeichnet. Einen bleibenden Eindruck wird das Buch bei mir wahrscheinlich nicht hinterlassen, aber ich denke ich bin auch nicht die wirkliche Zielgruppe.