InhaltElli ist rüstige Rentnerin, ihre Freizeit nutzt sie für sinnvolle Tätigkeiten und poliert sich mit diversen Nebenjobs ihr Einkommen etwas auf. Für Sina Poschmann ist Elli ein echter Glücksgriff, denn die alleinerziehende Mutter benötigt dringend eine Betreuung für ihren achtjährigen Sohn Elvis, nachdem dessen leiblicher Vater mal wieder den geplanten Ferienbesuch abgesagt hat. Der Drittklässler taut schon bald auf und verlebt mit Elli und deren Hund sehr schöne Ferienwochen. Doch nach einem Wochenendausflug, bei dem Elvis ganz allein mit seinem Stiefvater beim Zelten war, entdeckt sie die zahlreichen blauen Flecken auf dem Oberkörper des Jungen. Elli ist sehr verunsichert, zumal Elvis zwar stiller als gewöhnlich ist, sich aber in keiner Weise dazu äußert. Selbst auf ihr Nachfragen reagiert er nicht. Eine entsprechende Ansprache bei Elvis Mutter Sina bringt ihr nur deren Misstrauen ein und angeblich würde es keinerlei häusliche Probleme geben. Doch als Elli schließlich direkt von der Klassenlehrerein des Kindes angesprochen wird, die ebenfalls die Verletzungen wahrgenommen hat, bestätigt sie deren Verdacht. Das Jugendamt wird eingeschaltet und der Eingriff in die Privatsphäre der Familie nimmt ihren Lauf ...MeinungDieses Buch ist ein zufälliger Flohmarktfund und lag nun schon ein ganzes Weilchen auf meinem SUB, umso besser, dass ich es in diesem Sommer gelesen habe, denn nicht nur das Cover spiegelt die Unbeschwertheit der warmen Jahreszeit wider, auch der Inhalt nimmt Bezug auf eigentlich glückliche Tage, die dann jedoch zunehmend unter bedrohlichen Schatten verfliegen. Die Handlung selbst ist vollkommen unprätentiös, direkt aus dem Leben gegriffen und so realitätsnah geschildert, dass man sie in der direkten Nachbarschaft finden könnte. Der eigentliche Mehrwert liegt hier in der empathischen, unaufgeregten Erzählweise, deren Fokus auf den Gedankengängen und Überlegungen der beiden Hauptprotagonistinnen beruht. Sowohl für Elli als auch für Sina kann der Leser vollstes Verständnis entwickeln, ihre Sorgen, Bedenken und Ängste spiegeln sich in den einzelnen Kapiteln, dabei vollziehen sie auch eine persönliche Entwicklung, lassen sich aufeinander ein, trotz ihrer Unsicherheiten und bleiben dennoch sie selbst. Auch die vielfältigen Randereignisse bekommen einen hohen Stellenwert eingeräumt und mittels Rückblicken werden emotionale Zusammenhänge greifbar. Die Gefühlspalette aller steht dabei an erster Stelle, die Sachverhalte sind eingängig und wichtig, doch der Alltag muss gemeistert werden und so geraten manche Probleme wieder ins Hintertreffen, obwohl sie wichtige Entscheidungen für das Glück oder Unglück einzelner Personen bedeuten.FazitFür diesen einfühlsamen, alltäglichen, doch besonderen Roman vergebe ich sehr gute 5 Lesesterne. Die kurzen Kapitel, der fast rhythmische Wechsel der Perspektiven und die sich verdichtenden Probleme fesseln den geneigten Leser mehr und mehr. Trotz der Tatsache, dass die Geschichte an sich so banal und einfach gestrickt ist, bleibt das Gelesene haften. Die fein strukturierten Gedanken, die Innerlichkeit und manch einsamer Entschluss, werfen bedeutsame Schatten auf das Menschsein im Allgemeinen, auf Werte, Strukturen, und Möglichkeiten verschiedener Altersklassen und Erfahrungswerte. Die Tragik liegt hier im Detail, in der multiplen Entwicklung, der man manchmal trotz bester Vorsätze keinen Einhalt gewähren kann. Ein schönes Buch für nachdenkliche Stunden - nah dran am echten Leben.