Gleich vorweg: Wer eine dramatisch und packende Erzählung (wie sie der Klappentext verspricht) erwartet, sollte entweder ein großer Fan von Erzählungen über den Dreißigjährigen Krieg sein oder den Schreibstil eines Fünftklässlers mögen.
Sofort zu Beginn des Buches fällt auf, dass der Autor die einfachsten Grundsätze des Schreibens nicht beherrscht. In jedem Schreibratgeber, der etwas auf sich hält, wird davon abgeraten, Dialoge mit Adjektiven zu beschreiben. Wenn dein Dialog so schwach ist, dass er laut, abweisend und fordernd fragte, entsetzt fragte, drohend flüsterte, dann ist dein Dialog leider einfach schlecht.
Leider habe ich das so schon bei mindestens einem anderen Buch des gleichen Verlags festgestellt und das verleidet es mir leider zukünftig weiteren Büchern dieses Verlags eine Chance zu geben. Zudem finden sich unerhört viele Wiederholungen, teils auf der gleichen Seite. Das zeugt nicht von durchdachtem Schreiben, sondern nur von schlechtem Lektorat. Die Dialoge klingen teilweise gestelzt und die Satzstellung lässt ein Lektorat ebenfalls vermissen.
Der Plot des Buches folgt nicht nur einem Charakter, sondern gleich vieren, denen ähnlich viel Zeit eingeräumt wird. Außer Anna Dillenberger, die als Hexe verfolgt, im Plot aber leider sehr stiefmütterlich behandelt wird, obwohl sie der einzig kohärente Charakter ist.
Daneben erleben wir General Mansfeld, dessen Entwicklung wir seit dem Jugendalter mitbekommen und erleben, wie er zu dem grausamen Mann wird, dem Graf Heinrich von Hohenfels dient. Dieser verfolgt seine eigenen Pläne, die stark von Geld getrieben sind. Dafür schreckt er auch nicht vor dem Mord an Jacob Wolffens Familie zurück, den er schließlich als Söldner anheuert.
Grundsätzlich mochte ich die Struktur, in der das Buch aufgebaut war, allerdings sprangen die Kapitel so wild zwischen den Charakteren hin und her, dass es schwierig war, der gemeinsamen Geschichte zu folgen. Zudem war mindestens Jacobs Charakter so wankelmütig, dass er einfach nicht nachvollziehbar ist und handelt. Vom gottesfürchtigen Ministranten zum Mörder in drei Sekunden, klingt einfach nicht sehr unterhaltsam.
Die Geschichte von Anna und Jacob, die bereits im Klappentext erwähnt wird, nimmt dann erst ab der Hälfte des Buches überhaupt Gestalt an. Es wirkt beinahe so, als hätte der Autor einen langen Text geschrieben, der zum Zwecke der Veröffentlichung einfach in verschiedene Bücher aufgeteilt wurde. So klingt dann auch das Ende.
Ich will dem Autor auf keinen Fall die unglaubliche Recherchearbeit absprechen, die er mit Sicherheit für dieses Buch geleistet hat, doch leider klingt es stellenweise eher nach einer Doktorarbeit als einer unterhaltsamen Geschichte. Jacob sagt an einer Stelle: Es war entsetzlich. Doch von der lediglichen Darlegung von schrecklichen Fakten, hat sich noch niemand je gefürchtet. Show, don't tell ist damit ein weiter Schreibratgebertipp, den der Autor nicht beherzigt hat.