Gute und unterhaltsame Space Opera mit Schwächen im World Building.
Das Werk "Artifact Space" von Miles Cameron ist eine ziemliche Aufgabe: 672 Seiten! Das Buch ist super, hat allerdings Schwächen, vor allem im World Building und bei einigen handelnden Personen, dennoch ist es lesenswert, wenn man auf Science-Fiction und Space Operas steht.Charaktere & Handlung:Die Geschichte mit Marca Nbaro, die vor Häschern flieht um einen Gegenstand bei einem Pfandleiher verkaufen zu können. Am Anfang wirkt die Story sehr schnell, ähnlich einem Einstieg in einen Film ohne jegliche Schnitte in den ersten Szenen. Die Story beruhigt sich dann als Nbaro auf der "Athen" ist und Ihre eigentliche Reise beginnt. Jedes Kapitel wird dazu genutzt den Charakter von Marca Nbaro um eine Facette zu erweitern bzw. sie als Charakter wachsen zu lassen. Man erlebt ihre Unsicherheit um Umgang mit anderen Menschen, vor allem Männern. Die ersten Gehversuche als Fähnrich wie auch ihre Weiterentwicklung speziell im Umgang mit Höherrangigen.Einziges Manko für mich: Bis auf wenige andere Charaktere bleiben die meisten nur Namen und Hüllen. Es wird viel Namedropping betrieben ohne die Personen dahinter vorzustellen.Dennoch ist der tragende Charakter Marca Nbaro: Ihre Entwicklung mit zu erleben ist zum einen eine fantastische Reise zum anderen Zeugnis davon, dass es keine männlichen Charaktere braucht um eine Science-Fiction-Story zu tragen. Sie ist tough, unabhängig, unsicher, mitunter unterkühlt anderen gegenüber, aber immer hilfsbereit.Dorcas und Thea sind ebenso fantastisch, weil vielschichtig.World-Building:Hier liegen die größten Schwächen des Buches. Das Universum und die Fraktionen sind bis zum Ende eher diffus und wenig greifbar. Vor allem die menschlichen Fraktionen sind meines Erachtens untererklärt. Die DMK ist noch gut beschrieben, die Mischung aus Handel und Militär allerdings verwirrend, SUA und PTX wirken (noch) wenig überzeugend. Der Makrokosmos wirkt "schief". DIe menschliche EInflusssphäre bleibt riesig, aber wie riesig, ist bis zum Ende nicht ganz klar.Der Mikrokosmos der "Athen" wiederum ist fantastisch beschrieben und trägt viel zur Dichte in den Kapiteln bei. Speziell die Schichten in der Fliegerstaffel sind super und bringen einem Nbaro aber auch die mitfliegenden Personen näher. Der Schichtplan und die "Hobbies" der einzelnen Crewmitglieder haben leider immer irgendwas mit der Aus- und Weiterentwicklung im jeweiligen Dienst zu tun. Künstlerische oder schöpferische Tätigkeiten werden maximal angedeutet, was schade ist, und dem ganzen ein wenig die Atmosphäre harten Militärdrills gibt.Stil & Fazit:Anders als bei meinem vorangegangenen Buch, was ich gelesen habe, war der Stil hier "leicht". Ich empfand den Stil als leicht lesbar, wenig überladen. Die Sprache hätte lebhafter sein können. Meinem Lesefluss tat das keinen Abbruch. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und war immer wieder fasziniert vom Charakter Nbaro. ich freue mich auf den zweiten Teil, der hoffentlich mehr Details über das Universum preisgibt. Andeutungen gibt es mehr als genug!