ch muss zugeben, dass ich zunächst ein paar Probleme mit der Art hatte, wie in "Das Paradies meines Nachbarn" erzählt wird. Ich hatte einen Radiobeitrag über das Buch gehört und es klang nach einem tollen Roman über Identität, Heimatverlust, Fremdheit und Lebenskonstrukte in Zeiten der Globalisierung, etc., zugänglich und doch vielschichtig, lebensnah und doch mit viel Weltgehalt.Vielschichtig und themenreich ist das Buch auf jeden Fall. Zugänglich ist es, wegen der Ich-Erzähler*innenperspektiven, anfangs eher weniger. Natürlich ist diese Erzähl-Perspektive klug gewählt und notwendig, um das Bewusstsein und die Tiefen der Charaktere herauszuarbeiten und in der Folge ein Bild von ihrem Weltverständnis wiederzugeben, was sich sonst sicher nicht einfach aus dem Erzählen heraus ergeben hätte. Mit der Zeit findet man sich auch besser in diesen Ich-Positionen zurecht, aber es dauert eben ein bisschen.Dann wird der Roman zu dem versprochenen fesselnden Roman über Identitätsfragen und -ideen im 21. Jahrhundert. Am meisten beeindruckt hat mich, wie es der Autorin gelingt, im Spiegel ihrer Protagonist*innen die Geschichte des Iran mit zu erzählen - neben "Nachts ist es leise in Teheran" von Shida Bazyar und "Stadt der Lügen" von Ramita Navai ist es das beste Buch über den Iran, das ich bisher gelesen habe. Eine klare Empfehlung. Und für alle, die am Anfang Einstiegsprobleme haben: es entwickelt sich ein toller Sog, wenn man dranbleibt!