Es schadet einem Buch meistens, wenn es mehr sein will, als es zu sein vorgibt - und doch ist es ein handwerklich gut gemachter Krimi.
In einem Grundstück am Staffelsee wird ein junger Mann erschossen aufgefunden. Er scheint zuletzt die Nacht über mit der Bewachung eines Bauvorhabens verbracht und darauf aufgepasst zu haben, dass nicht wieder Baumaterialien gestohlen werden, wie schon so oft in letzter Zeit. Bei ihren Ermittlungen stoßen Irmi Mangold und ihr Team aber schnell auf noch weitere Motive, die in der verwickelten Familiengeschichte des jungen Mannes liegen könnten. Die Recherchen reichen dabei weit in die Vergangenheit zurück und verbinden alle Beteiligten so miteinander, dass es für die Ermittler schwer wird, das Familiengeflecht und die darin Verwickelten auseinanderzudröseln, zumal alle die Wahrheit nicht so genau nehmen und ihre Geschichten nur nach Vorarbeit der Polizei wirklich offenbaren.Dies ist mein erstes Buch von Nicola Förg, naja, eine Bücherschrank-Entnahme und schon erstaunlich, wenn ich die Liste der Veröffentlichungen der Autorin betrachte. Wie heißt es im Klappentext: "Spannend und immer am Puls der Zeit: Im 15. Band der Alpenkrimi-Reihe verbindet Nicola Förg erneut eine raffiniert geplottete Krimihandlung mit aktuellen gesellschafts-politischen Themen." Ja, so kann man es auch sehen. Mir ist es zuviel! Es beginnt mit der Bezeichnung "Alpen-Krimi" und endet damit, dass die Autorin soviel mehr aus diesesm Buch zu machen versucht als nur einen Krimi. Raffiniert finde ich ihn leider auch nicht gestrickt, der Täter war für mich früh zu erahnen und deshalb hat mich das Ende auch enttäuscht, mal ganz abgesehen von der völlig überzogenen Verfolgungsfahrt durch bayerische Alpenkulisse, die zur Stellung des Täters eingebaut wurde. Zudem will die Autorin mit ihrem profunden Wissen über Südtirol glänzen, packt es deshalb, zusammen mit ihrer Idee zu einer Gesellschaftsanalyse und -kritik in einen Roman im Roman und übertreibt es dabei für mich völlig. Das Personal hat mich leider auch nicht durchgängig überzeugt, Kathi, als rechte Hand der Kommissarin, erschien mit stellenweise als überzogen durchgeknallt, die sich gar nicht mehr richtig im Griff hat. Ein merkwürdiges Bild einer bayerischen Polizistin und Spannung lässt sich auch anderweitig erzeugen. Auch wenn dieser 15. Band wohl das Ende der Tätigkeit von Kommissarin Mangold darstellt, wären ein besserer Plot und eine überzeugendere, alleinstehende Krimi-Handlung ein würdigerer Abschluss gewesen.