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Die Regeln der Kunst

Genese und Struktur des literarischen Feldes. 'suhrkamp taschenbücher wissenschaft'. Neuauflage.
Taschenbuch
"Im 19. Jahrhundert hat sich das literarische Universum herausgebildet, das wir heute kennen - ein von staatlichen Institutionen und Akademien losgelöstes Feld. über das, was geschrieben werden sollte, und über die Regeln des guten Ges... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Die Regeln der Kunst
Autor/en: Pierre Bourdieu

ISBN: 3518291394
EAN: 9783518291399
Genese und Struktur des literarischen Feldes.
'suhrkamp taschenbücher wissenschaft'.
Neuauflage.
Übersetzt von Bernd Schwibs, Achim Russer
Suhrkamp Verlag AG

März 2008 - kartoniert - 560 Seiten

Beschreibung

"Im 19. Jahrhundert hat sich das literarische Universum herausgebildet, das wir heute kennen - ein von staatlichen Institutionen und Akademien losgelöstes Feld. über das, was geschrieben werden sollte, und über die Regeln des guten Geschmacks kann nun nicht mehr von einer herrschaftlichen Instanz entschieden werden; Anerkennung und Bestätigung ergeben sich aus den Positionskämpfen im literarischen Feld zwischen Autoren, Kritikern und Editoren. Am Beispiel von Flauberts Erziehung des Herzens rekonstruiert Pierre Bourdieu die soziale Genese und die Struktur des literarischen Feldes. Das ästhetische Projekt Flauberts entfaltet sich genau zu der Zeit, in der die Durchsetzung der Autonomie der Kunst in ihre entscheidende Phase tritt. Bourdieu zeigt, was das Werk Flauberts der Konstitution des literarischen Feldes, den verschiedenen Strömungen, Schulen und Autoren der Epoche verdankt. Indem er die Regeln der Kunst freilegt und die Logik ans Licht bringt, der die Autoren und die literarischen Institutionen folgen - eine Logik, die sich in sublimierter Form in den Werken ausdrückt - , löst Bourdieu die Illusion von der Allmacht des schöpferischen Genies auf. Zugleich liefert er die Grundlagen für eine »Wissenschaft der Werke«, deren Gegenstand nicht nur die materielle Produktion eines Werkes als solchen, sondern auch die Produktion seines Wertes ist."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 9

PROLOG
Flaubert als Analytiker Flauberts.
Eine Lektüre der Erziehung des Herzens 19

Plätze, Plazierungen, Deplazierungen 20
Die Frage des Erbes 29
Die notwendigen Zufälle 47
Die Macht des Schreibens 54
Die Formel Flauberts 61
Anhang 1: Die Erziehung des Herzens: eine
Zusammenfassung 70
Anhang 2: Vier Lesarten der Erziehung des Herzens 72
Anhang 3: Das Paris der Erziehung des Herzens 75
ERSTER TEIL
DREI ENTWICKLUNGSSTUFEN DES FELDES
1. Die Eroberung der Autonomie. Die kritische Phase
der Entstehung des Feldes 83
Eine strukturelle Unterordnung 84
Die Boheme und die Erfindung einer Lebenskunst 93
Der Bruch mit dem »Bourgeois« 98
Baudelaire als Gesetzgeber 103
Die ersten Ordnungsrufe 114
Eine aufzubauende Position 118
Der zweifache Bruch 127
Eine verkehrte ökonomische Welt 134
Positionen und Dispositionen 140
Der Standpunkt Flauberts 144
Flaubert und der »Realismus« 150
»Das Mittelmäßige gut (be)schreiben« 157
Zurück zur Erziehung des Herzens 166
Formgebung 170
Die Erfindung der »reinen« Ästhetik 174
Die ethischen Voraussetzungen der ästhetischen
Revolution 181
2. Die Entstehung einer dualistischen Struktur 187
Die Besonderheiten der Gattungen 187
Ausdifferenzierung der Gattungen und
Vereinheitlichung des Feldes 193
Kunst und Geld 198
Die Dialektik der Distinktion 205
Spezifische Revolutionen und externe Wandlungs-
prozesse 207
Die Erfindung des Intellektuellen 209
Austauschbeziehungen zwischen Malern und
Schriftstellern 214
Für die Form 223
3. Der Markt der symbolischen Güter 227

Zwei ökonomische Logiken 228
Zwei Modi des Alterns 235
Epoche machen 249
Die Logik des Wandels 257
Homologien und der Effekt der prästabilierten
Harmonie 259
Die Produktion des Glaubens 270

ZWEITER TEIL
GRUNDLAGEN EINER WISSENSCHAFT VON
DEN KULTURPRODUKTEN
1. Methodenfragen 283
Ein neuer wissenschaftlicher Geist 284
Literarische doxa und Widerstand gegen
Objektivierung 295
Der »ursprüngliche Entwurf«, ein Gründermythos 299
Der Blick des Thersites und der falsche Bruch 306
Der Raum der Standpunkte 309
Die Überwindung der Alternativen 328
Das Subjekt der Objektivierung objektivieren 330
Anhang: Der totale Intellektuelle und die Illusion der
Allmacht des Denkens 333
2. Der Standpunkt des Autors. Einige allgemeine
Merkmale der Felder kultureller Produktion 340

Das literarische Feld im Feld der Macht 341
Der nomos und die Frage der Grenzen 353
Die illusio und das Kunstwerk als Fetisch 360
Position, Disposition und Positionierung 365
Der Raum des Möglichen 371
Struktur und Wandel: interne Kämpfe und
permanente Revolution 379
Reflexivität und »Naivität« 384
Angebot und Nachfrage 395
Interne Kämpfe und externe Sanktionen 400
Die Begegnung zweier Geschichten 405
Die konstruierte Laufbahn 409
Der Habitus und die Möglichkeiten 413
Die Dialektik von Positionen und Dispositionen 419
Bildung und Auflösung von Gruppen 422
Eine institutionelle Transzendenz 427
»Ruchlos die Fiktion zu demontieren« 433
Anhang: Feldeffekt und Spielarten des
Konservatismus 439
DRITTER TEIL
DAS VERSTEHEN VERSTEHEN
1. Die historische Genese der reinen Ästhetik 449
Die Wesensanalyse und die Illusion des Absoluten 450
Die historische Anamnese und die Wiederkehr des
Verdrängten 456
Die historischen Kategorien der künstlerischen
Wahrnehmung 463
Die Voraussetzungen der reinen Lektüre 472
Das Elend des Ahistorismus 480
Die doppelte Historisierung 485
2. Die soziale Genese des Blicks 490
Der Blick des Quattrocento 493
Die Grundlage der charismatischen Illusion 499
3. Eine Theorie des Lesens in actu 502
Ein reflektierender Roman 504
Zeit der Lektüre und Lektüre der Zeit 508
DA CAPO
Illusion und illusio 515

POSTSCRIPTUM
Für einen Korporatismus des Universellen 523

Personenregister 536
Begriffsregister 547


Portrait

Pierre Bourdieu, am 1. August 1930 in Denguin (Pyrénées Atlantiques) geboren, besuchte dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte Lycée Louis-le-Grand nach Paris. Nachdem er die Eliteschule der École Normale Supérieure durchlaufen hatte, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der Faculté des lettres in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales. Im selben Jahr begann er, die Reihe Le sens commun beim Verlag Éditions de Minuit herauszugeben und erhielt einen Lehrauftrag an der Ècole Normale Supérieure. Es folgten Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Seit 1975 gibt er die Forschungsreihe Actes de la recherche en sciences sociales heraus. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France. 1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique. 1997 wurde ihm der Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen verliehen. In seinen ersten ethnologischen Arbeiten untersuchte Bourdieu die Gesellschaft der Kabylen in Algerien. Die in der empirischen ethnologischen Forschung gemachten Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine 1972 vorgelegte Esquisse d'une théorie de la pratique (dt. Entwurf einer Theorie der Praxis, 1979). In seinem wohl bekanntesten Buch La distinction (1979, dt. Die feinen Unterschiede, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewußtsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen. Mit Le sens pratique (dt. Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft, 1987) folgte 1980 eine ausführliche Reflexion über die konkreten Bedingungen der Wissenschaft, in der Bourdieu das Verhältnis von Theorie und Praxis neu zu denken versucht. Ziel dieser Analysen ist es, die »Objektivierung zu objektivieren« und einen Fortschritt der Erkenntnis in der Sozialwissenschaft dadurch zu ermöglichen, daß sie ihre praktischen Bedingungen kritisch hinterfragt. Seit dem Beginn der 90er Jahre engagiert sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer »Internationalen der Intellektuellen« auf, deren Ziel darin besteht, das Prestige und die Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte in die Waagschale zu werfen. Die im selben Jahr gegründete Zeitschrift Liber soll dazu ein unabhängiges Forum bieten. Seine politischen Aktivitäten zielen darauf ab, eine Versammlung der "Sozialstände in Europa" einzuberufen, die den europäischen Einigungsprozeß kontrollieren und begleiten soll. Pierre Bourdieu stirbt am 23. Januar 2002 in Paris.

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