Geschichten erzählen als Heilung und letzter gemeinsamer Weg von Vater und Sohn. Sehr emotional. Leseempfehlung!
Der ruhige 16-jährige Frank Starlight gehört den Ojibwe an. Er wächst auf der kanadischen Farm seines Vormunds auf, verbunden mit der Natur und den Tieren. Seinen Vater Eldon kennt er kaum, denn dieser lebt in der Stadt, ist schwerst alkoholkrank und zeigt kein Interesse für seinen Sohn. Als Eldon jedoch im Sterben liegt, bittet er Frank, ihn zu einem bestimmt Platz in die Wildnis zu bringen, damit er dort nach Art der Ojibwe bestattet werden kann. Auf diesem letzten Weg lernen sich Vater und Sohn endlich kennen.Was für eine emotionale, herzerwärmende und gleichzeitig so bedrückende, großartige Geschichte. Wagamese schöpft aus seinem eigenen harten Leben, das von Pflegefamilien und Alkohol geprägt war, bevor er zum gefeierten indigenen Autor wurde. In diesem Roman - wie auch in seinen anderen Texten - spielt die Tradition des mündlichen Erzählens eine wichtige Rolle. Durch Geschichten wird die Gemeinschaft, Herkunft und Vergangenheit heraufbeschwören, gefestigt und geehrt. Immer wieder taucht das Erzählen als Element im Roman auf und wird auch thematisiert."Mehr sind wir letztendlich auch nicht. Nur unsere Geschichten." (S. 120)Und diese Lebensgeschichten haben mich enorm in ihren Bann gezogen; die Erlebnisse von Eldon und Frank brechen einem fast das Herz.Ein großartiger Roman und eine Reise, die so schmerzlich wie befreiend ist. Ganz große Leseempfehlung.