Pjotr Nesterenko ist der Direktor der Moskauer Friedhöfe und kümmert sich höchstpersönlich um die ihm im Krematorium angelieferten Leichen. Tagsüber sind es die "normalen" Verstorbenen, die er kremiert, nachts kümmert er sich um die Hingerichteten, von denen nicht mehr bleibt als Asche und die Kugel, mit der sie hingerichtet wurden. Sein Leben lang malt er sich seinen eigenen Tod aus, immerhin hat er ihm auch schon vor seiner Arbeit auf dem Friedhof immer wieder in die Augen geblickt. Dann wird er schließlich 1941 verhaftet und lässt sein Leben und damit auch ein Stück Zeitgeschichte, v.a. die Zeit nach der russischen Revolution, Revue passieren. Selbst- und gesellschaftskritisch, durchzogen von Zynismus erzähl er auch von seiner Zeit im Ausland, die ihn natürlich hoch verdächtig macht, als Pilot und Mitglied der weißen Armee, im Kampf gegen die Bolschewiken angeschossen, aber auch als Taxifahrer im Pariser Exil. Davor die. Flucht nach Griechenland, Serbien und Frankreich, später dann Zusammenarbeit mit der Roten Armee, bevor es ihn wieder nach Russland verschlägt. Doch auch von seiner Arbeit im Krematorium erfährt man viel. Ihm gegenüber ein junger, linientreuer Bürgerermittler und Sowjetmensch, dessen einzige Aufgabe ist, die verworrenen, zufälligen Pfade in Nesterenkos Leben zu einem Gesamtbild zu verbinden, dass die Anklage stützt. Beide Protagonisten dieses Verhörs sind unsympathisch, nachvollziehbar unsympathisch. Nesteremko schwärmt von seiner großen Liebe, einer Schauspielerin, vom Fliegen, ist dem Theater, der Literatur und der Philosophie zugeneigt, gleichzeitig verrichtet er seine grausame Aufgabe, unfassbar viele zum Tode verurteilte in Asche zu verwandeln, also verschwinden zu lassen, und alles, was ihm dazu einzufallen scheint, ist sich mit seinem eigenen Ableben auseinander zu setzen, lässt kaum etwas an sich heran. Als Leser kann man den Inhalten nicht entkommen, weil natürlich die intime Situation des Verhörs/der Tagebucheinträge eine Konfrontation mit den Inhalten fokussiert. Man muss sich in diese Situation, auf der Roman aufbaut, erst einfinden, aber ich finde es sehr geschickt gemacht. Der Schreibstil des Autors ist frei von Drama und fast sachlich. Ich fand es dennoch oder deshalb sehr schwierig dieses Buch zu lesen, weil es unendlich grausam, traurig und deprimierend ist. Unvorstellbar in einem System zu leben, in dem man nie weiß, was einem morgen blühen wird, in dem man sich nie sicher sein kann, selbst wenn man willig der Doktrin folgt.