Halbsatirisches Rodeo im Bermuda-Dreieck Sauerland, Gütersloh und Mülheim an der Ruhr
So viel vorweg: Das Cover dieses Buches ist geeignet, es "Stante pede" links liegen zu lassen. Und wer in aller Welt ist "El Hotzo"? Insofern ist es verwunderlich, dass dieses Buch ziemlich erfolgreich seine Kreise zieht. Zu Recht? Falls man eine locker-flockig geschriebene Geschichte sucht, und außerdem eine wenig über bemitleidenswerte Männer lesen möchte, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit feststecken, dann ist dieses Buch sicher ein Volltreffer. Für die anspruchsvolleren Geister unter uns läuft es eher unter der Rubrik: leichte Kost. Auch wenn gelegentlich psychologische Zusammenhänge generiert werden, die den Protagonisten dieser Geschichte eine gewisse Glaubwürdigkeit geben: "Der in seinem Leben von Anfang an präsente christlich geprägte Konservatismus war ein fruchtbarer Acker, in dem die Saat seines Studiums explosionsartig aufging. Maximilian [Nomen est omen] war plötzlich umringt von jungen Menschen, die Träume hatten, Im Sauerland war der höchste Traum die Stagnation, alle waren wunschlos glücklich, weil die Enge der Umgebung die Entstehung von Wünschen nicht zuließ."Besagter Maximilian passt allerdings sehr gut in die heutige Zeit, in der das Selbstbild oft mit der Realität im Konflikt liegt, die eigenen Ansprüche an den eigenen Fähigkeiten zu scheitern drohen und man dennoch - mit dem richtigen Mindset - die Kurve zum persönlichen Erfolg zu nehmen hofft. Hier wird allerdings ein paar Nummern zu hoch gepokert, dank KI alles kein Problem, Rahmen und Auftreten stimmen einigermaßen, das Blendwerk ist gut durchdacht und in Szene gesetzt, wäre da nur nicht die kleine, nicht notwendige Auseinandersetzung, mit der Rezeptionistin gewesen. So nimmt das Unheil seinen vermeintlichen Verlauf. Insofern ist die Geschichte vorhersehbar und die Kalendersprüche sind halt Kalendersprüche, die "das Tun" nicht ersetzen. Dabei kann die Gegenüberstellung zwischen Wolf und Schaf als Option zum Nachdenken dienen: "Ein letzter Blick auf sein Handy, dann wird er schlafen, wenn es nach seinem inneren Schaf ginge, für immer, doch sein innerer Wolf und der Handywecker werden ihn um Punkt sieben Uhr dreißig aus den Federn reißen."Eine gut gelungene Persiflage an den Selbstoptimierungswahn des sich vorzugsweise im männlichen Milieu abspielenden Treibens mit einem leichten Sidekick hin zu: die Welt ein wenig gelassener zu sehen. (8.7.2026)