Meine MeinungAuf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil der Klappentext eine beklemmende, psychologische Geschichte versprochen hat. Der Einstieg im Hotelrestaurant ist auch tatsächlich stark und ungewöhnlich: Olive Anderson sitzt allein da, als sich eine fremde Frau zu ihr setzt und behauptet, mit ihr verheiratet zu sein. Diese Szene hat mich sofort irritiert und neugierig gemacht - trotzdem bin ich überraschend schwer in die Geschichte hineingekommen.Der Roman wird in Vergangenheit und Gegenwart erzählt, und genau das war für mich anfangs problematisch. Die Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen waren für mich oft nicht fließend genug. Mehrmals war ich kurz verwirrt und musste mich erst wieder orientieren, ob ich mich gerade in der aktuellen Flucht im Schneesturm oder in Olives Vergangenheit befinde. Das hat meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen und dazu geführt, dass ich emotional zunächst auf Distanz geblieben bin.Gerade in der Vergangenheit wird Olives Ehe und ihr innerer Zustand beschrieben - eine Beziehung, die nach außen perfekt wirkt, sich für sie aber schnell als Albtraum entpuppt. Rückblickend fand ich diese Einblicke sehr wichtig und auch nachvollziehbar, aber während des Lesens brauchte ich Zeit, um mich darauf einzulassen. Olives Einsamkeit, ihre Unsicherheit und ihr Wunsch nach Nähe werden zwar deutlich, doch ich musste erst lernen, sie wirklich zu verstehen.Die Kapitel in der Gegenwart haben mich dagegen deutlich mehr gepackt. Die Fahrt in den Schneesturm hinein, das Gefühl von Kälte, Angst und Ausgeliefertsein - das alles war sehr intensiv beschrieben. Hier habe ich die Anspannung körperlich gespürt und wollte unbedingt wissen, wie sich die Situation weiter zuspitzt. Mit zunehmendem Fortschritt des Buches ergab für mich auch das Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart mehr Sinn, und die anfängliche Verwirrung ließ langsam nach.Am Ende bleibt für mich ein ehrlicher, leicht zwiespältiger Eindruck zurück. Winternacht - Der Schnee begräbt alles ist kein Buch, das mich sofort abgeholt hat, sondern eines, auf das ich mich erst einlassen musste. Der Einstieg war für mich holprig, doch die Atmosphäre, die psychologische Tiefe und die beklemmende Gegenwartshandlung haben mich letztlich überzeugt.