Schriften über Kokain als Taschenbuch
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Schriften über Kokain

Aufgrund d. Vorarbeiten v. Paul Vogel hrsg. und eingel. v. Albrecht Hirschmüller. 'Fischer Taschenbücher…
Taschenbuch
Die zwischen 1884 und 1887 veröffentlichten Kokain-Schriften Freuds gehören zu seinen Frühwerken. Sie sind in einer krisenhaften Lebenszeit entstanden: dem in seiner beruflichen Existenz noch nicht gesicherten jungen Arzt war daran gelegen, mit einer … weiterlesen
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Schriften über Kokain als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Schriften über Kokain
Autor/en: Sigmund Freud

ISBN: 3596104580
EAN: 9783596104581
Aufgrund d. Vorarbeiten v. Paul Vogel hrsg. und eingel. v. Albrecht Hirschmüller.
'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Mit Tabellen.
Herausgegeben von Albrecht Hirschmüller
FISCHER Taschenbuch

1. Juli 1996 - kartoniert - 185 Seiten

Beschreibung

Die zwischen 1884 und 1887 veröffentlichten Kokain-Schriften Freuds gehören zu seinen Frühwerken. Sie sind in einer krisenhaften Lebenszeit entstanden: dem in seiner beruflichen Existenz noch nicht gesicherten jungen Arzt war daran gelegen, mit einer aufsehenerregenden Leistung sich rasch einen Namen zu machen, um sich niederlassen, heiraten und einen Hausstand gründen zu können. Er fing deshalb an, mit dem damals in Europa noch weithin unbekannten Alkaloid Kokain Versuche an sich selbst und anderen zu machen und es bei Patienten für die Bekämpfung von Schwäche- und Verstimmungszuständen sowie bei der Morphiumentziehung einzusetzen. Zunächst anscheinend mit Erfolg, bald aber wurde ihm vorgeworfen, er habe die gefährlichen süchtigmachenden Eigenschaften des Kokains verkannt. Bis auf die erste hat Freud seine Kokain-Veröffentlichungen später selbst äußerst kritisch betrachtet; er sprach von "Allotrion" und "Jugendsünden".
In der Sekundärliteratur werden sie als der vielleicht umstrittenste Teil des Oeuvres kontrovers diskutiert. Es gibt Autoren, die in den Freudschen Selbstversuchen Vorstudien zu der in der späteren Selbstanalyse geübten Introspektion erkennen - die dosierte Einnahme der Droge habe überdies den Zugang zum eigenen Unbewußten erleichtert -; andere entdecken im Freud der Kokain-Phase einen der Begründer der modernen Psychopharmakologie. Gerade in jüngster Zeit hat es aber an vehementen Attacken nicht gefehlt: Freud habe in dieser Zeit wissenschaftlich unsolide gearbeitet und klinisch voreilig gehandelt.
Der renommierte Medizinhistoriker Albrecht Hirschmüller hat die im Originalwortlaut bisher verstreuten und teilweise nie mehr nachgedruckten Kokain-Schriften nicht nur erstmals kritisch ediert; in seiner Einleitung hat er den historischen Hintergrund, auf dem Freud seine Kokain-Forschungen betrieb, so sorgsam rekonstruiert, daß es dem Leser ermöglicht wird, sich ein ausgewogenes eigenes Urteil zu bilden.

Portrait

Sigmund Freud, geb. 1856 in Freiberg (Mähren); Studium an der Wiener medizinischen Fakultät; 1885/86 Studienaufenthalt in Paris, unter dem Einfluss von J.-M. Charcot Hinwendung zur Psychopathologie; danach in der Wiener Privatpraxis Beschäftigung mit Hysterie und anderen Neurosenformen; Begründung und Fortentwicklung der Psychoanalyse als eigener Behandlungs- und Forschungsmethode sowie als allgemeiner, auch die Phänomene des normalen Seelenlebens umfassender Psychologie. 1938 emigrierte Freud nach London, wo er 1939 starb.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 16.03.2003

Schriften über Kokain

Neid und Freud liegen manchmal dicht beisammen. Am 30. April 1884 nahm Sigmund Freud zum ersten Mal Kokain. Er war damals 28 Jahre alt und arbeitete als Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Bei der Pharmafirma Merck hatte er für 1,27 Dollar ein Gramm der Substanz erstanden. Das war für die damalige Zeit nicht gerade billig, aber es war erschwinglich - und: es war vollkommen legal. Kokain hatte sich als wirksames Betäubungsmittel für Schleimhäute herausgestellt und wurde als solches vor allem bei Augenoperationen eingesetzt.

An jenem Apriltag war Freud ein wenig verstimmt. Er fühlte sich müde. In wäßriger Lösung nahm er oral 0,05 Gramm der Substanz zu sich. Wenige Minuten später stellte er eine plötzliche Aufheiterung und ein Gefühl von Leichtigkeit an sich fest. Er war begeistert. Geradezu euphorisch. Ein intensives Hitzegefühl breitete sich in seinem Kopf aus, das sich durch wiederholtes kühles Aufstoßen ankündigte. Wenn das mal kein sensationelles Medikament war. Das gehörte auf der Stelle weiteruntersucht.

Nachdem er es rund ein Dutzend Male an sich selbst ausprobiert hatte, war Freud sich sicher: Kokain hatte keinerlei negative Wirkung, wenn man von dem leichten Schwindelgefühl einmal absah, das er selbst aber nur zweimal verspürt haben wollte. Freud schrieb einen begeisterten Text, "Über Coca", in dem er die Droge eigentlich jedem nur wärmstens empfahl. Man fühle sich damit euphorisch, lebenskräftig, arbeitsfähig - und das Beste: "Man ist eben einfach normal und hat bald Mühe, sich zu glauben, daß man unter irgendwelcher Einwirkung steht." Seinem ärztlichen Ermessen nach konnte Kokain unbedenklich verabreicht werden bei: Verdauungsproblemen, Asthma oder Alkoholismus, sowie als geistige Stimulanz, als Aphrodisiakum oder Lokalanästhetikum. Mit der Wiener Engelapotheke am Hof vereinbarte Freud, daß sie nach Möglichkeit den Preis für Kokain senkten - an profaner Geldknappheit sollte nicht scheitern, daß dieses Wunderzeug jedem zugänglich sei. Einem Freund, der morphinsüchtig war, verschrieb Freud Kokain als Heilmittel. Jedes Mal, wenn die Lust auf Morphin käme, solle er eine Dosis Kokain nehmen, und das tat der dann auch. Natürlich war der Freund bald schwer kokainabhängig. Anfang 1885 schrieb Freud an seine Verlobte, Fleischl verändere sich leider psychisch - "er zeigt eine kleinliche Eitelkeit, mit der er bei sinkenden Kräften die Anerkennung festzuhalten sucht". Freud hatte Suchtgefahr und Folgeschäden der Droge brutal unterschätzt.

Daß Kokain schwer persönlichkeitsverändernd wirkt, daß es bei längerem Gebrauch neben Depressionen, Schlafstörungen und Angst auch emotionale Kälte, Realitätsverlust und Größenwahn hervorrufen kann, hatte er nicht gesehen. Als der Freund während des kokaininduzierten Morphinentzugs starb, war es mit Freuds Begeisterung für Kokain vorbei. Sein hymnischer Text über Kokain aber hatte Mitschuld an der ersten Kokainwelle in Europa.

Johanna Adorján.

Sigmund Freud: "Schriften über Kokain". Herausgegeben und eingeleitet von Albrecht Hirschmüller. S. Fischer 1996. 186 Seiten.

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