Review enthält Spoiler
Epic Fantasy is back! Gigantisches World Building, emotionale Tiefe & empathische Charakterentwicklung. Alles dabei!
Review enthält Spoiler!DIE GESCHICHTEWie lange dauert es, bis man etwas hinter sich lassen kann? Wie lange, bis man schreckliche Erlebnisse vergessen kann oder wirklich daran glaubt, dass errungene Siege einem nicht mehr genommen werden können? 20 Jahre sind eine lange Zeit, um zu vergessen und zur Ruhe zu kommen, aber auch um sich vorzubereiten.Das Thema "Reue" zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verbindet die Ereignisse und die Herzen der Protagonisten. Manchmal wird am im Leben vor eine Entscheidung gestellt und trifft sie nach bestem Wissen und Gewissen. Doch was tun wir, wenn uns diese Entscheidungen eines Tages einholen? Freuen wir uns auf diesen Tag oder fürchten wir ihn? Und was werden wir tun, wenn er eintrifft?In dem von mir lang ersehnten zweiten Teil der Triarkan-Insel-Trilogie, begegnen wir nicht nur Avala, Sineth und Kima erneut. Auch einstige Gegenspieler kehren in veränderter Form zurück.20 Jahre nach dem Fall des Kontinents haben sich die Dinge nicht so entwickelt, wie von den einstigen Held*innen erhofft. Auf der Suche nach Antworten begeben sie sich erneut auf die Reise, doch bald stellen sie fest, dass die Schatten der Vergangenheit im Begriff sind, sie einzuholen.MEINUNGWas man in bereits Band 1 nicht anders als eindrucksvolles, schriftstellerisches Können bezeichnen musste, hat sich in Band 2 zur Raffinesse gesteigert!! Sophie Haeder bildet den an der Grenze zum Zerbersten befindlichen Zustand ihrer Welt im Seelenleben ihrer Figuren ab. Stündlich neigt sich die Landmasse dem Abgrund entgegen. Spürbar macht sie den drohenden Sturz in die Tiefe anhand der Verzweiflung mit der sich ihre Figuren an ihre Hoffnungen und aneinander klammern, während sie selbst und ihre Beziehungen drohen, wie das Land auseinander zu brechen. Diese Allegorie, die es schafft, die gigantische geologische Umwälzung ins Persönliche, Individuelle zu übertragen, gelingt durch ein großartiges Einfühlungsvermögen und ausgezeichnetes Gespür für Ausdruckskraft und den passenden Moment.Mein besonderes Augenmerk lag dabei auch auf Izzmir. Seine erwachte Erinnerung lässt ihn gegen den Dämon, von dem er fürchtet, verlassen zu werden aufbegehren. Eine wirklich ausgezeichnet geschriebene, glaubwürdige Zerrissenheit, die zwischen Groll und Verzweiflung pendelt.