Donatella Dragna hat alles riskiert, um ihre Schwester und sich selbst aus den Fängen ihres grausamen Vaters zu befreien. Doch nun muss sie eine Schuld begleichen, bei niemand geringerem als dem mysteriösen Meister Legend, dem legendären Magier, den niemand kennt. Als wäre das nicht schon schwierig genug, mischen sich auch noch uralte Schicksalsmächte in das Spiel ein und es wird zusehends schwerer, zu unterscheiden, was wahr ist und was eine Lüge...Mit "Legendary" geht es zurück in die magische Welt von Caraval, dem Zirkus der Träume und Lügen. Während Band eins schon ein echt seltsames Spektakel war, setzt die Fortsetzung dem Ganzen noch mal die Krone auf, aber nicht im Positiven. Im ersten Teil erkundete man Caraval an der Seite von Donatellas Schwester Scarlett, die zurückhaltendere, schüchternere und naivere der beiden Schwestern, deren ganzes Leben nur daraus zu bestehen schien, ihre jüngere Schwester zu retten und sich an einen wildfremden Mann verheiraten zu lassen.Nun, Donatella ist allerdings auch nicht viel klüger als ihre Schwester. Beide sind sehr jung (gerade mal Teenager!), glauben, sie haben die Weisheit mit Löffeln verspeist, verhalten sich aber wie die ersten Menschen. Es ist sowieso immer wieder erstaunlich, wie die Welt von Caraval funktioniert (ohne je erklärt zu werden). Alle Protagonisten sind unfassbar jung, alle sehen zum Anbeißen aus und ständig wird nur darüber nachgedacht, ob man sich gegenseitig anziehend findet. Donatella soll die mutigere, extrovertierte Schwester sein, aber am Ende ist sie bloß kurzsichtig und sorglos, dadurch dann auch gleich beinahe gefährlich dämlich.Ihr ganzes Leben scheint sich nur darum zu drehen, wen sie als nächstes im Mondschein küssen kann, Verantwortung für irgendetwas übernimmt sie nie. Sie ist das wandelnde Klischee, bemitleidet sich ständig selbst, fühlt sich dann aber doch allen anderen lächerlich überlegen. Ich frage mich, wie ihr Leben funktionieren soll, immerhin hat sie niemanden, der für ihren Lebensunterhalt sorgt. Aber vielleicht denke ich zu viel nach. Das sollte man bei dieser Geschichte nämlich eher nicht tun.Die Handlung entwickelt sich so, wie es der Autorin gerade passt, immer wenn ein Hinweis zur eigentlichen Haupthandlung gestreut werden kann, verbindet sie das mit noch mehr absolut seltsamem Liebesdrama und überzieht dabei ihre männlichen Charaktere so sehr, dass man auch einfach nur die Augen verdrehen muss. Dieses Buch soll zwar Young Adult Fantasy sein, aber am Ende des Tages haben wir hier nur eine verrückte Liebesgeschichte mit einem sehr fragwürdigen Liebesdreieck. Die eigentliche Handlung wäre zwar ganz interessant gewesen, war aber eher schmückendes und schlecht inszeniertes Beiwerk (in dem Sinne, dass den Protagonisten immer dann, wann sie sie brauchen, ein paar offensichtliche Hinweise vor die Füße fallen) zu einem Drama der Extraklasse, das nicht mal überraschend, sondern einfach bloß nervig war. Zum Fantasy-Aspekt der Geschichte lässt sich nur sagen: Es wirkt wie ein Märchen, die Magie ist schön anzusehen, Erklärungen gibt es praktisch keine, die Magie ist nur dann zur Stelle, wenn sie gebraucht wird und verschwindet danach wieder. Immerhin ist Stephanie Garbers Schreibstil angenehm zu lesen, auch ihre Weltgestaltung ist an sich wunderschön, nur der Rest kann absolut nicht überzeugen. Nun bleibt abzuwarten, wie die Autorin das, was sie auf den letzten Seiten dieses Buches verzapft hat, im Finale wieder in Ordnung bringen will. Vermutlich mit viel Drama.