Eine interessante Wohngemeinschaft wider Willen: Alois Mistelzweig und Berta Bartók, ihres Zeichens ehemaliger Gesellschafter sowie ehemalige Köchin der verstorbenen Arbeitgeberin sitzen in einer Villa in Zürich zusammen fest. Nun ja, es könnte schlimmer sein, oder? Wenn nur nicht das Problem mit dem lieben Geld wäre. Mistelzweig, einst Pianist und Klavierlehrer, und Bartók, pensionierte Köchin, bestreiten mit Gelegenheitsdiebstählen ihren Lebensunterhalt. Einer dieser Coups missglückt und das Opfer will sie anzeigen. Sie handeln einen Deal aus: Keine Polizei, stattdessen suchen sie die verschwundene Freundin. Im Wald finden sie eine Leiche, dabei haben sie zu Hause schon das grösste Problem unter dem Birnbaum liegend
Erster Eindruck: Ein herrschaftliches Anwesen ziert das Cover; die beiden schaufelnden Schatten rechts unten habe ich tatsächlich erst beim zweiten Mal gesehen gefällt mir.
Nach den beiden Reihen Vijay Kumar bzw. Marisa Greco und Bashir Berisha war dies für mich nun der erste Cozy Crime aus der Feder von Sunil Mann ich war sehr gespannt.
Das Älterwerden macht vor niemandem halt. Auch wenn die Knie oder der Rücken schmerzen, das Bücken nicht mehr so einfach geht, die kriminelle Energie scheint nicht weniger zu werden! Es wird den Leser:innen schon kurzum klar, was da mit dem Birnbaum nicht stimmen könnte. Wobei, eigentlich ist mit dem Baum selbst alles in Ordnung. Es ist mehr die Bodenbeschaffenheit oder ach, lassen wir das.
Die Gelegenheitsdiebstähle sind sehr schön inszeniert: Alois hat so seine Art, Menschen in Cafés zu bezirzen. Für seine Zwecke benötigt er dafür einen Latte Macchiato, obwohl er diesen eigentlich gar nicht mag. Aber für seinen Einsatz ist dieses Getränk unabdingbar. Berta ist nicht so für Small Talk und hält sich im Hintergrund bis zu ihrem Einsatz und dann muss es schnell gehen!
Ich sah die beiden Oldies vor mir: Im Alltag möglichst weit weg voneinander am Esstisch sitzend (beide an den Stirnseiten 4 Meter Distanz), aber beim gemeinsamen Kiffen schön nebeneinander, mit glücklich-beseeltem Blick einen kurzen Moment der Harmonie geniessend. Berta ist eine tolle Köchin, kann aber nicht einmal einen gescheiten Joint drehen! Gut, dass Alois diesen Part übernehmen kann.
Ist die Geschichte schräg? Und ob! Mag ich das? Aber hallo! Ich gehe davon aus, dass dies der Beginn einer neuen Reihe ist (ich bin nur ein klein-wenig-fast-gar-nicht-spürbar reihenanfällig); ich freue mich und vergebe 5 Sterne.