Phantastischer Identitätskrimi
"Piranesi" hat einige negative Rezensionen kassiert; der Funke springt also nicht bei allen über. Kann ich mir vorstellen, denn man verbringt zunächst sehr viel Zeit in dieser seltsamen (Parallel?-)Welt, bis sich schließlich eine Kriminalgeschichte entspinnt: Wer ist "Piranesi" und wie ist er in diese Welt gekommen, beziehungsweise: durch wen? Auch die Auflösung wurde teils als "zu simpel" bemängelt, der Schreibstil zu spröde.Für mich dagegen hat alles zusammengepasst: Ich liebte, wie dieses "Ozeanhaus" gestaltet ist, wie der Zweifel langsam in Piranesi einsickert und wie die Geschichte aufgelöst wird - nicht superspektakulär, aber elegant. Was Susanna Clarke außerdem perfekt beherrscht, ist, den Schreibstil auf die jeweilige Situation anzupassen und Informationen nur Stück für Stück preiszugeben, so dass ich als Leser selbst zum Detektiv werde.Neben der handwerklichen Klasse punktet der Roman auch im Subtext; das Buch wirft grundsätzliche philosophische Fragen auf, über die man nachdenken kann, aber nicht muss. Für mich ist "Piranesi" einfach perfekte Unterhaltung.