Mögt ihr es, wenn eine Geschichte aus mehreren POVs erzählt wird? Und wie viele wären euch persönlich zu viel? In "I Am Watching You" von Teresa Driscoll treffen wir auf drei verschiedene POVs, was ich bei der Länge des Buches vollkommen okay fand. Mehr hätten es für mich aber wirklich nicht sein dürfen, da man sonst schnell den Überblick verloren hätte.Als Ella im Zug einen beunruhigenden Moment beobachtet und ignoriert, ahnt sie nicht, dass kurz darauf die junge Anna spurlos verschwindet. Ein Jahr später holen Ella Schuldgefühle und anonyme Drohbriefe ein, während sich immer deutlicher zeigt, dass Annas Umfeld mehr weiß, als es zugibt. Was ist in jener Nacht wirklich passiert und warum gerät Ella selbst zunehmend ins Visier?Kommen wir zum Schreibstil. Der ist angenehm leicht und flüssig, sodass man gut durch die Geschichte kommt. Die kurzen Kapitel und der Perspektivwechsel sorgen dafür, dass man zügig liest und grundsätzlich dranbleibt. Was mich allerdings etwas gestört hat, war das starke Ausschweifen innerhalb der einzelnen POVs. Man erfährt einiges über die Protagonisten, das für die Auflösung des Falls nicht wirklich relevant war und auf mich eher wie Lückenfüller wirkte. Dadurch zog sich die Handlung an manchen Stellen unnötig, was ich schade fand, gerade weil das Buch insgesamt nicht besonders dick ist. Es gab andere Aspekte der Story, die ich deutlich spannender fand und über die ich gerne mehr gelesen hätte.Trotzdem hat mir der Thriller insgesamt gut gefallen. Die Grundidee ist spannend, die Atmosphäre passt und durch die Perspektivwechsel kommt Dynamik in die Geschichte. "I Am Watching You" ist für mich ein solider Thriller, den man gut weglesen kann und der sicherlich auch vielen Einsteigern in dem Genre zusagen würde. 4/5 ¿¿