"...Waldmann wirbelte herum, hastete die halbe Treppe hinauf, brüllte den Namen seiner Frau. Sein Blick hetzt über die Menge vor dem Torbogen und zwischen den Marktständen. Und sucht nach Marias Blondschopf..."
Mit diesen Zeilen endet der Prolog des Buches. Maria bleibt auf dem Basar in Lagos - Island in Nigeria verschwunden.
Der Autor hat einen fesselnden Kriminalroman geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Der Schriftstil ist ungewöhnlich und passt trotzdem sehr gut zum Geschehen. Es sind zum einen sehr kurze Sätze, zum anderen eine Vielzahl von Gedankenstrichen. Letztere suggerieren ein kurzes Innehalten. Außerdem sorgen die schnell wechselnden Handlungsorte und Personen für einen hohen Spannungsbogen.
Sieben Jahre sind vergangen. Kommissar Hannes Waldmann muss damit leben, dass ihn ab und an Erinnerungen an die Vorgänger in Nigeria in einen Strudel reißen. Dann neigt er zu unkontrollierten Reaktionen. Gerade ist er von einer Kur zurückgekehrt, als er einen Anruf erhält.
"...Ein Mordopfer gibts. Leo hier, guten Morgen. In Beutel. Ich weiß du fängst heute erst wieder an, Hannes, aber ich hab kaum Leute im Tagesdienst..."
Der Tote ist eine bekannte Persönlichkeit. Das macht die Ermittlungen schwierig, zumal die Umstände seines Todes für ihn als einen miesen Charakter sprechen. Der Fall führt Waldmann in das Milieu der Zwangsprostitution. Dort trifft er auf die Journalistin Pia, die im Umfeld verschwundener ukrainischer Frauen recherchiert.
"...Eine höchstens Achtzehnjährige erzählte, dass ihr die Freundin in Nürnberg abhanden gekommen sei. Das Mädchen sei mit zwei anderen zu einem Mann ins Auto gestiegen, der ihnen Arbeit und Unterkunft versprochen hatte..."
Sein Vorgesetzter macht Waldmann klar, dass dies seine letzte Chance ist. Sollte er wieder neben der Spur laufen, muss er mit seiner Pensionierung rechnen. Der Fall erweist sich als schwierig, weil er sich immer weiter ausbreitet. Die Spuren führen in die Niederlande und nach Zürich. Es geht um Menschenhandel im großen Stil. Eine neue Mafiaorganisation aus Nigeria hat die Hände im Spiel.
Der Autor gibt mir die Gelegenheit, einen Blick auf die Strukturen dieser Organisation zu werfen. Wer der Polizei in die Hände gerät, hat sein Leben verwirkt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Hier wird auf spannende Art ein Blick hinter die Kulissen des organisierten Verbrechens ermöglicht. Es ist bitter, wenn Frauen, die vor dem Krieg geflohen sind, nun in der sogenannten Freiheit die Hölle auf Erden erleben.