Als Überraschung für ihren Mann Hans hat Henriette eine Woche auf Mallorca gebucht. Mit von der Partie sind ihre 14-jährigen Zwillinge und ihr frisch geschiedener Bruder Freddie. Die Finca auf den Klippen, die Casa de la Vora, soll nicht nur ein Ort zum Ausspannen sein. Der Urlaub und dieser traumhafte Ort sollen auch ihre Ehe retten.
Durch eine Doppelbuchung muss sich die Familie jedoch das Feriendomizil mit einer anderen Familie teilen. Samuel und Marie mit dem achtjährigen Yuri bestehen nämlich darauf, ebenfalls zu bleiben.
Die Familien arrangieren sich und verstehen sich gut, bis eine Leiche auf dem Küchentisch liegt.
Till Raether hat einen unkonventionellen und etwas anderen Sommerthriller geschrieben. Die Geschichte handelt grösstenteils auf Mallorca. Es ist Schulferienzeit und somit ist auf der Insel ordentlich was los. Warme Nächte, die auch mal ein typisches Wärmegewitter bringen, Strand, Meer und ein traumhaftes Stückchen Erde. Die Finca, in der die beiden Familien nächtigen, ist jedoch ganz schön heruntergekommen. Es regnet durch das Dach, die Betten sind klamm und der Vorplatz gleicht einer Baustelle.
Es gibt zwischen den beiden Familien, die sich erst vor der Finca kennenlernen, Sympathien und Antipathien. Letzteres eher zurückhaltend. Man merkt bei den meisten, dass der Urlaub sie auch milde stimmt. Nein, eigentlich bei allen ausser bei Hans. Er wäre mein ganz persönlicher Horror - Miturlauber.
So handelt die erste Hälfte des Buches von den sozialen Kontakten unter den acht Gästen der Finca. Von Thriller weit und breit keine Spur. Ich habe eine gruselige Atmosphäre vermisst. Hier hätte man, bei dem Setting, mehr herausholen können.
Exakt nach der Hälfte liegt dann plötzlich eine Leiche auf dem Küchentisch der Villa. Wer für diese tote Überraschung verantwortlich ist, hat mich das restliche Buch über bei der Stange gehalten. Die Auflösung, wie alles zusammenhängt, hat mich überrascht und auch überrollt. Auf den letzten 30 bis 40 Seiten war alles so verschachtelt und so viele Informationen kamen in rascher Abfolge, dass ich zeitweise verwirrt war.
Einige Kapitel werden rückblickend aus dem Jahr 1995 erzählt. Hier lernen sich zwei junge Menschen kennen und lieben. Klar ist, dass dies mit der Hauptgeschichte in Zusammenhang steht. Aber wie und wer sind diese jungen Leute?
Kurz, knapp und teilweise abgehackt. Das ist mein Eindruck des Schreibstils. Manchmal empfand ich Dialoge als hölzern und platt. Gestört hat mich das Gemisch aus Deutsch und Englisch, das die 14-jährige Esmé von sich gibt. Der achtjährige Yuri sprach zudem wie ein erwachsener Mann und meiner Meinung nach, auch wenn er frühreif ist, nicht unbedingt authentisch.
"Meeresdunkel" ist tatsächlich ein etwas anderer Thriller vom Aufbau und auch von der Aufarbeitung des Mordes her.