Ich muss ehrlich sein, als ich das erste mal von diesem Buch gehört habe, dachte ich: Schach? Das ist absolut nichts für mich.
Aber holy moly - diese Story hat mich echt gepackt und nachhaltig beeindruckt! Man muss keine Ahnung von Schachjargon, Eröffnungen oder Strategien haben, um dieses Buch zu lieben es geht um so viel mehr als nur um ein Spiel! Ich habs gar nicht kommen sehen und es hat mich total umgehauen.
Man liest von Sizilianischer Verteidigung, Endspielen, Hängepartien und raffinierten Opfern.
Der Buchtitel selbst: Das Damengambit - eine Schacheröffnung, bei der man freiwillig einen Bauern opfert, um sich einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Genau das spiegelt das ganze Leben der im Waisenhaus lebenden Protagonistin wider. Ihr ist kein Opfer zu groß, um dem tristen Alltag im Heim zu entkommen und sich im Wettbewerbsschach zu behaupten.
Genie oder Wahnsinn?
Im Mittelpunkt des Plots steht Beth Harmon, die im Waisenhaus lebt und sich dort nur schwer in ihre Rolle einfinden kann.
Um die Kinder im Heim gefügig zu machen und nachts ruhig zu stellen, erhalten sie dort ihre tägliche Dosis Vitamine.
Eine glückliche Fügung eröffnet Beth Einblick in die Welt des Schachs, von der sie schon bald wie besessen ist.
Während andere Kinder draußen spielen, gilt es für sie, die absolute Kontrolle über das Brett zu bekommen.
Die Geschichte balanciert permanent auf einem schmalen Grat zwischen Waisenhausalltag, Medikamentensucht und Beths messerscharfen, strategischem Verstand. Der Leser merkt schnell, dass dieses Mädchen ein absolutes Genie ist. Walter Tevis Mischung aus Coming-of-Age-Drama und genialem Ausnahmetalent ist so intensiv, dass ich mich dem Sog der Story nicht mehr entziehen konnte.
Zwischendurch war ich mir nie sicher, was da in Beths Kopf so abgeht, wenn sie von ihren persönlichen Dämonen beherrscht und durch einen Cocktail aus Betäubungsmitteln, Ehrgeiz und Leidenschaft angetrieben, nachts komplexe Schachzüge an der Decke des Schlafsaals visualisiert, während die anderen Kinder bereits tief und fest schliefen.
Hat sie vielleicht eine psychische Erkrankung oder spielt ihr unter Drogeneinfluss stehendes Gehirn einen Streich?
Dieser Zwiespalt und die psychologische Tiefe machen das Buch unglaublich dicht und spannend.
Mein Fazit:
Ich wollte einfach nicht, dass dieser Roman endet, und habe die letzten Seiten erst mit etwas Abstand im Nachgang gelesen.
Aber dieses Finale ist pure Magie! Es klingt nach absoluter Liebe zum Spiel, tiefem Respekt und Anerkennung.
Für mich ist Beth Harmon ein unglaublich starker, mutiger und inspirierender Female Character, die die traditionellen Grenzen in der von Männern dominierten Welt des Wettbewerbsschachs auf den Kopf stellt. Ein absolutes Meisterwerk!