Was macht man, wenn man als junger Mann entdeckt, dass die Nase der Frau, die man im Dämmerlicht ansprach, eine Ungeheuerlichkeit ist, wie angenäht? Man flieht, wischt sich den Schweiß von der Stirn und grinst. Die Geschichten des früh verstorbenen Wolfgang Borchert sind so subversiv wie komödiantisch.
Diese achtzehn Erzählungen aus dem Nachlaß sind straff komponierte Kurzgeschichten, Muster- und Meisterstücke ihrer Gattung. Die Prosa des "Gesamtwerks" in vielen übertreffend, legen sie Zeugnis davon ab, mit welchem Einfühlungsvermögen Borchert über alle bloß zeitbedingte Thematik hinaus seelische Katastrophen in beiläufigen Gesten anzudeuten vermochte. Hier zeigt sich das Unheimliche am Intimen und Vertrauten, und ein Minimum an äußerer Handlung genügt, um uns zu erschüttern und zu rühren.