Psychologische Tiefe und grausamer Tiefgang.
Psychologische Tiefe und grausamer Tiefgang.Inhalt:Kris, Wolf, Tamara und Frauke. Vier Schulfreunde, zwei Brüder, scheinbar gescheiterte Existenzen in Berlin. Gefangen im bösen Moloch der Stadt. So lang, bis durch eine Laune heraus ihre neue Geschäftsidee entsteht. Sie gründen eine Agentur für Entschuldigungen. Jeder, der sich entschuldigen sollte, dafür aber keinen Arsch in der Hose hat, soll sie buchen können.Und es funktioniert!. Die Kunden strömen nur so zu ihnen. Sie haben gutzutun, können sich sogar gemeinsam eine Villa am See leisten. - Es läuft!Es läuft bis zu dem Tag, an dem ein Auftrag sie nicht zu einem Kunden, sondern zu einem Leichnam führt. Eine Frau, an die Wand genagelt, die anklagend dreinblickt. - Aus einer Entschuldigung wird eine Leichenentsorgung. Aus einem erledigten Auftrag wird ein Folgeauftrag und aus diesem Folgeauftrag wird ein perfides und tödliches Katz- und Mausspiel.Die vier stehen vor einem Problem. Sollen sie tun, was der Täter verlangt, oder durch den Gang zur Polizei ihre Agentur aufs Spiel setzen?Mein Leseerlebnis:Am Anfang steht der Mord. - Aber so fängt ja erst einmal jeder Krimi oder Thriller an. Ein perfider Mord, der hier aber seltsam bildlich, aus Sicht des Täters geschrieben ist.Später kommen unsere vier Protagonisten ins Spiel und erwecken den Eindruck, dass sie gescheiterte Existenzen sind. Jobverlust, arbeitslos, in den Tag hineinleben, sich mit Drogen ablenken. - Fast schon ein Berliner Yuppi-Leben, wie man es sich vorstellt. - Doch dann ist der Leser quasi Life dabei, wie sie die Agentur aus dem Boden stampfen, wie sie einfach etwas versuchen und damit Erfolg haben. Und als der Erfolg dann auf dem Zenit scheint, kommt der Mord vom Anfang ins Spiel und und die Jagd beginnt.In einer seltsamen und doch irgendwie eindringlichen Kapitelaufteilung mit "davor" und "danach". Mal aus Sicht eines der vier Freunde, einmal aus Sicht des Täters, wird die Sache immer perfider. Treibt die Freunde Stück für Stück auseinander, entzweit die Freundschaft, zerstört grausam eine frische Liebe, die noch nicht einmal offiziell ist.Ich habe wirklich bis zum Ende gerätselt, wer der Täter ist, warum er das tut. Diese kleinen Abstecher zu den Berliner Jungen, die es nicht leicht haben, konnte ich nicht so wirklich in die Handlung einordnen. - Aber diese Abstecher waren eben auch immer wieder interessant.Zum Schluss dröseln sich die Fäden Stück für Stück zusammen. Doch zu dem Zeitpunkt war ich längst fassungslos, stand vor einem Loch und habe mich gefragt, wie das denn bitte noch weitergehen soll. Der Mut der Verzweiflung treibt eine der Täterinnen zu einem krassen Schritt. Sie ist der Lösung des Rätsels ganz nah, und greift dann doch daneben. Doch ihr Freund Kollege macht parallel sein eigenes Ding und kann der Sache ein Ende bereiten.Ein zweifelhaftes Ende, aber ein Ende. - Ich bin wirklich mit vielen Fragezeichen zurückgeblieben.Neu für mich, aber absolut lohnenswert. Von diesem Autor werde ich mir mit Sicherheit noch das eine oder andere Buch mehr zulegen.