Kriminalfälle, pietätlose Totenfeiern, Russenliebchen und die bewunderte Dorfhure es ist auf der Welt nicht so, wie die Moralisten es wollen. Und in den Geschichten I. Mukurarindas ist das auch gut so, erweist sich doch die Norm, das Gesetz, die offizielle Politik als unzureichend für die konkreten Menschen in realen Situationen.
Wunderbar erhellende Geschichten übrigens auch (oder gerade?) für Moralisten. Für alle anderen: großartige Literatur.
Leichen in der Kunstwerk-Installation, pragmatische Beerdigungen, dilettantische Fluchtversuche oder ideologische Diskussionen auf dem Kirchhof - die Texte Irmela Mukurarindas entlarven genüsslich den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Spannend, humorvoll, gleichwohl mit einem tragischen Unterton. Da ist zum Beispiel das Paar, das den Auszug seines letzten Kindes feiert - während insgeheim schon jeder für sich eigene Pläne schmiedet. Oder die Heldenfeier der Jungen Pioniere in den 1960er-Jahren, die ausgerechnet eine oppositionelle Pfarrerstocher belobigen muss. Zwischen "Russenliebchen", praktischen Erwägungen einer Trauerfeier ohne "Gäste" oder Rachegelüsten schafft I. Mukurarinda das Kunststück, spannende Geschichten mit Anspruch zu liefern, die auch noch unterhalten. Schnörkelos-direkt und pointiert. Die besten Texte sind in diesem liebevoll gestaltetem Bändchen versammelt. Für Liebhaber und für Entdecker.