Columbus und seine Zeit als Buch
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Columbus und seine Zeit

22 Abbildungen.
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Als der italienische Seefahrer Christoph Columbus (eigentlich "Christoforo Colombo", 1451-1506) nach Westen segelte, wollte er bekanntlich nicht Amerika entdecken, sondern Ostindien auf einem kürzeren Seeweg erreichen. Den Auftrag dazu hatte die Köni … weiterlesen
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Columbus und seine Zeit als Buch

Produktdetails

Titel: Columbus und seine Zeit
Autor/en: Alfred Kohler

ISBN: 3406542123
EAN: 9783406542121
22 Abbildungen.
Beck C. H.

15. März 2006 - gebunden - 220 Seiten

Beschreibung

Alfred Kohler bettet das Leben von Christoph Columbus ein in die Geschichte der europäischen Expansion, die mit den Fahrten des Seefahrers ihren Ausgang nahm. Er zeichnet die Reisen Christoph Columbus' nach und beantwortet die Frage, wie sich die Welt zu Lebzeiten des Entdeckers von Amerika veränderte. Er schildert dabei auch das Asien- und Afrikabild des Spätmittelalters, das entscheidend für Columbus werden sollte, und bietet einen Einblick in die Konflikte zwischen Europa und der muslimischen Welt während des 15. Jahrhunderts.

Als der italienische Seefahrer Christoph Columbus (eigentlich "Christoforo Colombo", 1451-1506) nach Westen segelte, wollte er bekanntlich nicht Amerika entdecken, sondern Ostindien auf einem kürzeren Seeweg erreichen. Den Auftrag dazu hatte die Königin Isabella von Kastilien erteilt, um Gewürze, Edelsteine und Seidenstoffe zu besorgen. Statt dessen landete er zunächst auf den Bahamas, ehe er nach Kuba und Haïti weiterfuhr. Er sollte noch dreimal die beschwerliche Reise nach Amerika antreten, ehe er von seiner letzten Reise krank zurückkehrte. Christoph Columbus starb zurückgezogen und vergessen; bis zum Schluß hielt er an dem Glauben fest, Indien erreicht zu haben.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 29.05.2006

Phantasieprodukte im Bordell

Er starb nicht als ruhmreicher Entdecker Amerikas, sondern als Indienfahrer, der zu viel versprochen und zu wenig gehalten hatte. Lange glaubte man seinen Beteuerungen, der westliche Seeweg nach Indien erschließe unermeßliche Reiche und Reichtümer. Von vier kostspieligen Expeditionen brachte Christoph Columbus dann Pflanzen, Papageien, Masken, etwas Edelmetall und ein paar Wilde zurück. Damit hatte er die Geduld seiner Geldgeber am spanischen Hof genug strapaziert. Sie ließen ihn fallen und einen recht einsamen Tod sterben. Erst in den Jahren danach entdeckte man, daß er auf einen neuen Kontinent gestoßen war und dazu noch einen, der tatsächlich unvorstellbare Schätze barg.

In diesem Mai jährte sich Columbus' Todestag zum fünfhundertsten Mal, und pünktlich erscheint ein Stapel neuer Studien, die sich der tragischen Ironie seines Lebens annehmen. Zwei von ihnen liegen uns vor; sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Das eine ist ein schmales, aber stoffreiches Bändchen, das Alfred Kohler, ein profunder Kenner der Reichs- und Kaisergeschichte im sechzehnten Jahrhundert, veröffentlicht hat ("Columbus und seine Zeit". C.H. Beck Verlag, München 2006. 221 S., geb., 18,90 [Euro]). Wie der Titel andeutet, schreibt Kohler keine Biographie im engeren Sinne, sondern entwirft ein wahrhaft weltumspannendes Panorama einer Epoche, die er treffend als "eine europäische Sattelzeit" bezeichnet - ein Begriff, den die Geschichtsschreibung üblicherweise dem späten achtzehnten Jahrhundert vorbehält.

In ihr, so der Grundtenor des Buches, setzt jener Prozeß ein, den die historisch kurzsichtige Gegenwart gerne für sich allein reklamiert: die Globalisierung. Mit den Entdeckungen der Europäer geriet die Geschichte in den Griff globaler Zusammenhänge. Kohler fragt denn auch nach den Begleitumständen der europäischen Expansion und stellt Vergleiche mit China und dem Osmanischen Reich an, die ihm zufolge im gleichen Zeitraum das Potential zu globalen Seemächten hatten, aber nicht ausschöpften.

Kohlers Überlegungen wirken äußerst anregend, auch dann, wenn auf die großen Fragen weniger große Antworten folgen, und sich der Leser, von Kontinent zu Kontinent katapultiert, selber hart auf seine Globalisierungstauglichkeit geprüft sieht. Der Autor erzählt nahe an den Quellen, macht einen diskreten Bogen um den spekulativen Wildwuchs der Columbusmythologie, hält überhaupt in allem eine sachliche Distanz, die ihn vor den üblichen moralischen Kurzschlüssen über "Columbus den Kulturzerstörer" bewahrt. Das Bändchen erlaubt nicht unbedingt tiefenscharfe Einblicke, sondern präsentiert eine impressionistische Gesamtschau von großem Farbenreichtum, mit Columbus als schwer faßbarer Gestalt, die nur zu Beginn und am Schluß des Buches in den Vordergrund rückt, dann aber in ihrer eigentümlich faszinierenden Widersprüchlichkeit. Mit ihrer lockeren Verknüpfung von globaler und individueller Geschichte bietet die Studie einen guten Einstieg in die komplexe Thematik des europäischen Aufbruchs zu neuen Ufern.

Zu einem anderen Genre, nämlich jenem der Populärbiographie, gehört das Columbus-Büchlein von Paul Barz, einem routinierten Biographen, der in den letzten zwei Jahren schon Lebensbeschreibungen von Mozart und Theodor Storm vorgelegt hat ("Christoph Columbus". Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006. 187 S., br., 10,- [Euro]). Mit den Porträts in der endlosen Bildergalerie des Christoph Columbus hat es eine spezielle Bewandtnis: 1893 wurden an der Weltausstellung in Chicago siebzig Bildnisse des Columbus gezeigt, von denen keines dem andern glich. Ob schmal- oder dicklippig, adler- oder knollennasig, alle Gesichter waren gleichermaßen Phantasieprodukte, denn Columbus selbst hatte sich anscheinend nie porträtieren lassen. Auch in Barz' Buch führt nun die Einbildungskraft Regie, freilich ohne Not, denn die schriftliche Quellenlage zu Columbus ist, gemessen an der Überlieferungsdichte um 1500, hervorragend. Für Barz aber ist das nicht gut genug; er will den ganzen Menschen Columbus erfassen, auch den mutmaßlichen Kneipen- und Bordellbesucher. Und er will in sein Inneres blicken, wo es, wie der Leser erfährt, mitunter düster aussieht. Nach gescheiterten Verhandlungen mit der spanischen Krone ist "in ihm nichts als tiefstes Schwarz, trübe Gedanken, nackte Verzweiflung. So kommt er an einen Fluß, würde sich wohl am liebsten hineinstürzen. Was soll er noch, der ewige Versager, auf dieser Welt?"

Damit sind wir bei der zweiten Parallele zu den Columbus-Malern: Die künstlerische Freiheit, die sich der Autor nimmt, kommt nicht unbedingt der künstlerischen Qualität zugute. Läßt er seiner Phantasie freien Lauf, so bleibt diese beim nächstliegenden Klischee hängen, am liebsten von der schlüpfrigen bis blutigen Sorte. Stilistisch hält sich Barz an die Hilfsregel, daß man über Wüsten in trockener, über Gewässer in flüssiger Sprache zu schreiben habe, und manövriert seinen Columbus durch ein Wellental aus boulevardeskem Slang und erhabenem Duktus. Mit diesem sturmen Stil gelingt es ihm recht gut, dem hochseeunerfahrenen Leser eine Ahnung jener Gemütslage zu vermitteln, die man gemeinhin Seekrankheit nennt. Die Chance populärer Geschichtsschreibung, gute Lesbarkeit mit wissenschaftlicher Qualität zu verbinden, ist hier vertan.

CASPAR HIRSCHI

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