Hat mich weit weniger begeistert als erhofft, komme da maximal auf 2.5 Sterne.
The Only One Left von Riley Sager war schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste. Der Klappentext klang einfach zu vielversprechend als dass ich drum herum gekommen wäre. Mit entsprechend hohen Erwartungen und einer guten Portion Aufregung bin ich dann in die Geschichte gestartet. Super war, dass man ohne große Umschweife in die Handlung einsteigt und sogleich von der düster beklemmenden Atmosphäre empfangen wird. Das Herrenhaus mit dem bezeichnenden Namen "Hope's End" wird wunderbar herausgearbeitet und wirkt beinahe wie ein eigenständiger Charakter in der Geschichte, ein grimmiger Schatten der über allem lauert und alles mitbekommt. So weit so gut. Den Schreibstil von Riley Sager habe ich jedoch mit eher gemischten Gefühlen erlebt. Der Spannungsaufbau, das brodelnde Misstrauen und wie zuvor erwähnt die Atmosphäre gelingen ihm hervorragend und es war super einfach in die Story reinzukommen. Gleichwohl wird es mit der Zeit ziemlich repetitiv. Auch hat er die weibliche Erzählperspektive für meinen Geschmack nicht wirklich gut umgesetzt, was wiederum den Figuren nicht sehr gut getan hat. Die Protagonistin, am Anfang noch vielversprechend, verliert mit der Zeit jeden appeal. Sie zeigt kaum Zeichen einer Persönlichkeit, ist wankelmütig, selbstgerecht und regelmäßig einfach ziemlich dumm. Irgendwann war es nur noch zum Augenverdrehen. Die Nebenfiguren waren okay, recht oberflächlich und gerade so geschrieben, dass es für die Story Sinn ergibt (jedenfalls meistens), aber insgesamt in Ordnung. Die Hope Schwestern waren besonders interessant, soweit man sie aus den Rückblenden kennenlernen konnte, aber ich hätte mir etwas mehr Charakter-Kontinuität gewünscht. Zum Ende hin hatte ich das Gefühl Miss Hope habe charakterlich eine 180 Grad Wende hingelegt. Vielleicht lag das aber auch zum Teil daran, dass die Protagonistin Kit alles mit ihren Voreingenommenheiten einfärbt, also wer weiß. Der größte Knackpunkt war aber die Handlung. Bis ca. zur ersten Hälfte hatte ich echt Spaß beim Lesen. Das ganze Misstrauen, die Rätsel, die Spannung. Dann geriet die Handlung ins Stocken, es kamen kaum neue Erkenntnisse, keine neuen Entwicklungen, viele Füller-Momente, das hat mir einen echten Dämpfer gegeben. Der Supergau war allerdings das Grande Finale. Das Ende ist auf so dermaßen chaotisch und sprunghaft geworden. Manche Sachen waren auch einfach gerade heraus unlogisch, dass ich das beim Lesen nicht abschütteln konnte. Den großen Aha Effekt samt Dramatik liefert die Auflösung durchaus, aber die ganze Zeit nebenbei konnte ich nicht darüber hinweg sehen, dass da Logiklöcher in der Handlung waren, so groß wie Texas. Die Versuche des Autoren auf diese einzugehen waren bestenfalls halbherzig und überhaupt nicht überzeugend. Am Ende hat mir das das Buch tatsächlich ein bisschen madig gemacht. Es ist ein solider Thriller und lässt sich auch wirklich gut lesen. Wer sich an bisschen überspitzten Handlungsaspekten nicht allzu sehr stört wird damit auch eine sehr gute Lesezeit haben. Ich war am Ende leider etwas zu verkopft und hab es wahrscheinlich auch zerdacht, sodass es alles in allem nicht das Thriller-Erlebnis war, auf das ich gehofft hatte.