Kurz: Das Magiesystem von Avatar trifft auf die düstere Atmosphäre von Game of Thrones und die Knister-Dynamik von From Blood and Ash.
Der Anfang von the Wind Weaver zieht sich enorm. Dabei wird man eigentlich sogar direkt in die Handlung geworfen: Rhya wird gejagt, nach einem Überfall tagelang durch den Wald getrieben und schließlich an einen Baum gefesselt, um auf ihre Hinrichtung zu warten. Doch im letzten Moment wird sie gerettet. Oder besser gesagt: entführt. Denn Commander Smythe entdeckt ein seltsames Zeichen an ihr und bringt sie daraufhin in die Nordlande. Bei dieser Reise müssen sie vor Rhyas eigentlichen Jägern weiterhin fliehen. So weit so gut, so spannend. Gleichzeitig braucht das Buch aber auch sehr lange, bis es wirklich greifbar wird. Der Weltenbau, die Atmosphäre und vor allem die Charaktere entfalten sich erst viel, viel später. Am Anfang liest man also Kapitel für Kapitel, ohne wirklich ein Gefühl für die Figuren zu entwickeln. Ungefähr die erste Hälfte des Buchs konzentriert sich stark auf die Flucht. Irgendwie passiert immer dasselbe. Sie reiten, machen Pause und reiten noch ein bisschen. Es passieren Stellenweise zwar Dinge, jedoch treiben sie die Handlung irgendwie kaum voran. Das macht den Einstieg ziemlich langatmig. Man merkt beim Lesen eben deutlich, dass es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt. Vieles wird aufgebaut, vieles vorbereitet.Man braucht also Durchhaltevermögen. Aber - ABER! - wenn man ungefähr die Hälfte des Buches erreicht hat, kann man es plötzlich kaum noch aus der Hand legen. Sobald sich die Welt öffnet und die Figuren wirklich Form annehmen, wird es unglaublich spannend und richtig mitreisend. Vor allem, als die Freundesgruppe ins Spiel kommt, wendet sich die Geschichte plötzlich und nimmt fahrt auf. Die Dynamik zwischen den Charakteren ist großartig: viel Sarkasmus, viel Loyalität und genau diese Mischung aus Neckereien und Vertrauen, die eine Gruppe eben so "echt" wirken lässt.Mich hat das beim lesen stark an From Blood and Ash erinnert. Wer diese Dynamik liebt, wird sich hier sehr wahrscheinlich auch wohlfühlen.Rhya ist eine klassische Einzelkämpferin. Mutig, entschlossen und manchmal auch verdammt naiv in ihren Entscheidungen aber hat ihr Herz am rechten Fleck und steht für sich und ihre Werte ein. Penn ist der typische unnahbare, mächtige Schönling. Was ihn jedoch so spannend macht ist, das man schnell merkt, das er viel vielschichtiger und tiefgründiger ist als zunächst angenommen. Das hat man bei den männlichen Charakteren in Romantasy irgendwie nicht so oft. Ich bin sehr gespannt, wie er sich in den anderen Teilen noch entwickeln wird. Der Schreibstil ist insgesamt sehr bildhaft und schafft es, eine mysteriöse Atmosphäre aufzubauen. Stellenweise hatte ich beim Lesen sogar ein bisschen Game-of-Thrones-Vibes, vor allem durch das Setting, die Allianzen und die Bösewichte. Gleichzeitig erinnert das Magiesystem auch an Avatar - Der Herr der Elemente. Zwei Serien, die ich sehr liebe - und daher definitiv Pluspunkte. Das steigert irgendwie den Wohlfühl-Aspekt und die Spannung beim lesen. Ich bin schon wahnsinnig gespannt auf den zweiten Teil und kann das Buch hier, trotz anfänglicher Schwierigkeiten nur weiterempfehlen.